kalaydo.de Anzeigen

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

16. November 2012

Ikea: Kalkulation mit Zwangsarbeit

 Von Markus Decker
Das Logo wird an einer Filiale des Ikea-Konzerns montiert. Das Ansehen des Konzerns dürfte im Zuge der Zwangsarbeitsuntersuchung leiden. Foto: ddp

Ikea untersucht Zwangsarbeit in der DDR - das ist mutig, aber die Wahrhaftigkeit muss angezweifelt werden. Schließlich liegt die Antwort nahe, warum der Möbelgigant nicht einfach ausstieg.

Drucken per Mail

Es gibt im Deutschen das geflügelte Wort vom Ritt auf der Rasierklinge. Es kommt immer dann zum Einsatz, wenn jemand ein maximales Risiko eingeht. Der schwedische Möbelgigant Ikea war am Freitag bei einem solchen Ritt zu besichtigen. Man darf dem Konzern zugutehalten, dass er sich zu einer Sonderuntersuchung über Zwangsarbeit in der DDR überhaupt bereit gefunden hat. Und wie der Geschäftsführer von Ikea Deutschland sich im Lichte der Fernsehkameras den Fragen der Opferverbände stellte – das war mutig. Aber war es auch wahrhaftig? Zweifel sind zwingend.

Der zentrale Satz in der Untersuchung lautet: „Ikea missbilligte möglicherweise ab dem Jahre 1978, spätestens aber ab dem Jahr 1981, den möglichen Einsatz von politischen Gefangenen in einzelnen der für das Unternehmen relevanten Produktionsstandorten der DDR.“ Zudem habe man spätestens ab 1978 Gegenmaßnahmen eingeleitet. Doch den Beweis dafür, ob das stimmt, blieb der Möbelbauer schuldig. Die Studie als Ganze wird unter Verschluss gehalten – mit Hinweis auf datenschutzrechtliche Gründe.

Schließlich sagt Ikea nichts Substanzielles zu der Frage, warum es aus der Produktion in der DDR nicht einfach ausstieg, als die Zwangsarbeit nicht gestoppt werden konnte, und Selbiges wohl auch in China nicht beabsichtigt. Die Antwort liegt nahe, wird aber nicht gegeben. Sie lautet wohl: Weil sich Zwangsarbeit rechnet.

Jetzt kommentieren

Ressort

Leitartikel, Analysen und Kolumnen unserer Autoren und Korrespondenten


Die FR erscheint weiter

"Was können die Leserinnen und Leser jetzt tun, um der Frankfurter Rundschau zu helfen?", fragte die FR den Insolvenzverwalter Frank Schmitt im Interview.

Seine Antwort: An den Kiosk gehen und die Frankfurter Rundschau kaufen und Anzeigen schalten. "Alles, was aktuell zum Umsatz beiträgt, ist hilfreich."

Die Zeitung erhalten Sie aktuell im Solidaritäts-Abonnent.

Die preisgekrönte FR-App bekommen Sie ebenfalls im Abo als Paket mit unserem E-Paper oder im Einzelverkauf im App-Store und bei Google Play.

Anzeigen sind möglich in Zeitung, App und auf der Website. Der Verlag informiert über die Konditionen.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagte während des "Arabischen Frühlings" den Aufstand gegen die Autokraten. Lesen Sie hier, was aus den revolutionären Bestrebungen geworden ist und wie die politische Lage in Arabien heute aussieht.

Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Anzeige
Fotostrecke
Plaßmanns Welt 2013 (20 Bilder)
Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige
Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.