Eindrucksvoller kann man Vorurteile nicht bestätigen: Da laufen die katholischen Bischöfe seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle im Büßerhemd herum und reden über Aufklärung und Ursachenforschung. Doch wenn ein Untergebener aus den eigenen Reihen einmal Klartext redet, dann fliegt er raus. Ein katholisches Trauerspiel.
Bunkermentalität hat der inzwischen abgelöste Leiter der katholischen Journalistenschule, Michael Broch, der Kirche vorgeworfen − und sich dafür später entschuldigt. Das hätte er nicht tun müssen. Denn der Rauswurf Brochs ist der Beleg für genau dies: Bunkermentalität. Abschotten, zusammenhalten und warten, bis der Sturm vorüber ist. Wer da nicht mitmacht, gehört nicht dazu. Das scheint das Credo der Kirchenfürsten zu sein, die den kritischen Schulleiter in die Wüste geschickt haben. Sie haben bewiesen, dass ihnen an Diskussionen nicht gelegen ist, an Reformen schon gar nicht.
Dabei wären diese dringend nötig: Schluss machen mit der lustfeindlichen Sexualmoral, nach der sich ohnehin keiner mehr richtet. Schluss machen mit der zölibatären Kirche, in der nur ein paar alte Männer das Sagen haben. Und eben Schluss machen mit den Denk- und Redeverboten, die schon viele Kirchenmitarbeiter ihr Amt gekostet haben.
Mit der jetzt gezeigten Haltung wird die Kirche die Krise nicht bewältigen. Sie wird weiter ihre öffentliche Bedeutung einbüßen und weiter zusammenschrumpfen zu einem kleinen Grüppchen derer, die sich für die Aufrechten halten. Für manche Bischöfe mag dies eine Wunschvorstellung sein. Die wenigen Schäfchen haben sie dann auch besser im Griff.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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