Aktuell: Museumsuferfest Frankfurt | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

02. Januar 2009

Klare Verstöße gegen das Völkerrecht

Zu: "Operation Gegossenes Blei", FR-Thema des Tages vom 29. Dezember

Drucken per Mail

Da der israelische Geheimdienst "Informationen gesammelt" habe, "um diverse Polizeistationen, Waffen- und Trainingslager der Hamas in Gaza zu lokalisieren", und da israelische Kampfpiloten fleißig geübt haben, sind anscheinend auch Sie überzeugt, dass die Bomben und Raketen allein "Hamas-Zentren" getroffen haben. Über so viel Vertrauen in die Arbeit von Geheimdiensten und die Treffgenauigkeit von Kampfjets kann man sich nur wundern.

Skandalös ist aber, dass auch Sie ohne weiteres das israelische Feindbild übernehmen, wonach Polizeistationen, Moscheen, Fernsehsender legitime militärische Ziele sind. Angesichts des klaren Wahlsiegs der Hamas wird so praktisch die gesamte Bevölkerung zum Abschuss freigegeben. Doch selbst wenn, wie Ihre Korrespondentin zu wissen glaubt, tatsächlich die "Mehrheit der Toten im Dienste der Islamisten" stand, so waren die meisten Ermordeten wehrlose Zivilisten.

Die israelischen Bombenangriffe sind daher nicht nur unverhältnismäßig, sondern sie sind, wie führende UNO-Menschenrechtsvertreter klarstellten, klare Verstöße gegen das Völkerrecht, d.h. auf deutsch: Kriegsverbrechen. Wer, wie Kanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier, der Hamas die alleinige Verantwortung zuschreibt, macht sich zum Komplizen dieses Staatsterrors. Tatsache ist doch, dass Israel die Waffenstillstandsvereinbarungen nie einhielt: Weder hat es die Blockade aufgehoben, noch militärische Angriffe auf Ziele im Gaza-Streifen eingestellt. In über hundert Angriffen hat die israelische Armee während der "Waffenruhe" 22 Palästinenser getötet und 62 verwundet.

Auch wenn das nicht Raketenangriffe der Hamas auf zivile Ziele rechtfertigt. Der israelischen Regierung war klar, dass ihre Strangulationspolitik Gegengewalt provozieren würde. Offensichtlich war dies gewollt - als Vorwand für einen umfassenden Angriff. Solange Israel von den Regierungen der USA und der EU und durch eine einseitige Medienberichterstattung dabei unterstützt wird, wird es keinen Frieden im Nahen Osten geben. Joachim Guilliard, Heidelberg

Diskussion: www.frblog.de/gaza

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Burkini-Urteil

Ein Funken Vernunft im emotionalen Dunkel

Von  |
Teilnehmerinnen einer Protestveranstaltung vor der französischen Botschaft in London. 

Das begrüßenswerte Burkini-Urteil bringt Frankreich keinen Rechtsfrieden. Dazu müssten Politiker die wahren Probleme lösen, statt auf Nebenkriegsschauplätze auszuweichen.  Mehr...

Südafrika

Das Ende einer Ära

ANC-Parteichef Jakob Zuma.

Wahlniederlagen des ANC haben die Partei Nelson Mandelas geschockt. Nun steht Südafrika vor stürmischen Zeiten. Der ANC wird mit allen Mitteln die verbliebene Macht verteidigen. Der Leitartikel.  Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung