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21. November 2012

Kolumne: "O alte Burschenherrlichkeit"

 Von Klaus Staeck, Grafiker und Verleger
Klaus Staeck ist Grafiker und Verleger.

Die Verbindungen haben viel dazu getan, dass kaum auszumachen ist, wo der rechtsextreme Rand beginnt.

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Auch wenn offiziell nur die 3. Strophe mit Gesang zu hören ist, so wird „die Deutsche Burschenschaft bei ihren Veranstaltungen weiterhin das von ihrem Verbandsbruder Heinrich Hoffmann von Fallersleben verfasste ‚Lied der Deutschen‘ in allen drei Strophen singen.“ Das beschloss der Burschentag vor zwanzig Jahren in Eisenach. Und es gilt noch heute. Über die Grenzen von treu deutschem Patriotismus und „Deutschland, Deutschland über alles“-Nationalismus hinweg haben die Burschenschaften viel dazu getan, dass kaum auszumachen ist, wo der rechtsextreme Rand der Rechtskonservativen beginnt.

Am Wochenende könnte etwas mehr Klarheit geschaffen werden, wenn sich in der Stuttgarter Sängerhalle der rechte Flügel des Dachverbandes endgültig durchsetzt. Dann kann Norbert Weidner, Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter, seinen Sieg feiern. In dem Zentralorgan lässt er schon mal gegen die „mentale Vernichtungsmentalität der PC-Aufpasser“ wettern. Prof. Dr. Ralph Weber hat die Frage „Brauchen wir eine neue Partei rechts der CDU?“ längst mit ja beantwortet. Und Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt, Alter Herr der Danubia München wie der Germania Köln, sinniert darüber, dass es „heute angesichts der ‚Selbstabschaffung‘ (Sarrazin) Deutschlands um den Widerstand gegen die Auflösung der deutschen Nation und gegen die immer drastischere Formen annehmende EU-Finanzdiktatur“ gehe. In der „Jungen Freiheit“ läse es sich nicht anders. Weidner selbst hat sich allerdings für die burschenschaftliche Redefreiheit in seinem Blatt zu weit vorgewagt, als er den NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer einen „Landesverräter“ nannte, gegen dessen Hinrichtung „rein juristisch“ nichts einzuwenden gewesen sei. Da war es den liberaleren Vertretern zu viel, auf dem Eisenacher Burschentag kam es zum Eklat, der nun in Stuttgart-Untertürkheim möglicherweise mit dem Austritt des gemäßigten Flügels aus dem 200 Jahre alten Verband enden könnte. Doch was dann, wenn die rechten Burschen übrigbleiben und statt sich die Gesichter mit Mensuren zu verzieren einfach mal eine braunradikale Studentenpartei gründen? Würde es der Verfassungsschutz verhindern oder überhaupt bemerken? Immerhin fiel es dieser Behörde auf, dass die Jenaer Burschenschaft Normannia enge Verbindungen zum sogenannten Thüringer Heimatschutz, zum NPD-Landesvorsitzenden und den mordsgefährlichen Kameradschaften pflegte, denen der NSU entstammte und schätzte sie als „rechtsextremistisch ausgerichtet“ ein.

Und dann erinnert man sich auch noch, etwas über Ariernachweise gelesen zu haben, mit denen sich Burschenschaften vor Überfremdung in den eigenen Reihen schützen sollten, wenn sie denn ihren nationalen Auftrag des Kampfes gegen die „Umvolkung“ wahrnehmen wollten.

Das alles ist kein Spuk aus Verliesen ewig gestriger Altherren-Ideologie. Die Berliner Universitäten hatten gute Gründe, die Studentenverbindungen stets mit kritischer Distanz zu beobachten. Umso mehr musste man sich wundern, als kürzlich auf einer Absolventenfeier der Jura-Fakultät ein Student vom Dekan des Saales verwiesen wurde, der gegen die Anwesenheit uniformierter Burschenschafter protestierte. Die vier von der pflichtschlagenden Verbindung Gothia jedenfalls haben ihren Auftrag erfüllt.

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