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Kolumne: Auf dem Mond

"Sex sells", weiß die Warenwirtschaft. Einige Wahlkämpferinnen glauben, mit Sex lasse sich auch Politik verkaufen. Von Charima Reinhardt

Charima Reinhardt, freie Autorin, war Vizesprecherin der rot-grünen Bundesregierung.
Charima Reinhardt, freie Autorin, war Vizesprecherin der rot-grünen Bundesregierung.
Foto: FR

Hängetitten de Luxe" - dieser Titel eines erfolgreichen Berliner Kabarettprogramms ließe sich locker auf das übertragen, was sich derzeit in der Hauptstadt abspielt. Die CDU-Politikerin Vera Lengsfeld präsentiert sich auf einem Wahlkampfplakat wie eine Zwillingsschwester von Kanzlerin Angela Merkel, was im Grunde bemerkenswerter ist als beider tiefer Ausschnitt auf dem Foto. Linken-Vizechefin Halina Wawzyniak wirbt für sich mit ihrem in Jeans gehüllten Hintern. Gabriele Pauli engagiert konsequenterweise gleich einen Busenstar als Frauenbeauftragte und Horst Schlämmer poltert mit einem Model durch den Wahlkampf der HSP-Partei.

Tiefer kann das Niveau nicht sinken? Wer kann sich da sicher sein! Die Spaßgesellschaft hat ihren Spaßwahlkampf und vermag sich doch so recht nicht mit ihm anzufreunden. Ist ja auch nicht wirklich lustig angesichts Finanzkrise und steigender Arbeitslosigkeit. Lengsfeld, einst Bürgerrechtlerin in der DDR, später bei den Bündnisgrünen, dann umgestiegen zur CDU und zwischenzeitlich auch dort fast vergessen, ist es zwar gelungen, sich mit ihrem Plakat öffentlichkeitswirksam zurückzumelden, doch für eine nette Idee und ein ansonsten wenig reizvolles Dekolleté allein wird niemand sie in den Bundestag wählen. Ihr Konkurrent im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Hans-Christian Ströbele von den Grünen, hat das Direktmandat praktisch für sich gepachtet, ganz ohne heruntergelassene Hosen.

Pauli, als CSU-Rebellin berühmt geworden, verzichtet auf Latex-Plakate, schafft es aber auch anders, sich ins endgültige politische Aus zu manövrieren. Wegen eines Flüchtigkeitsfehlers verfehlte sie die Zulassung ihrer Partei zur Bundestagswahl und machte dann auch noch eine Ex-"Miss Penthouse" zur Frauenbeauftragten. Kader Loth kann es, was die Oberweite betrifft, locker mit Merkel/Lengsfeld aufnehmen, muss sich im Gegensatz zu denen aber im Interview fragen lassen, ob sie wisse, wie der Bundespräsident gewählt werde. Es mag sie trösten, dass zuweilen selbst alte Haudegen in der Politik - unvorbereitet über derlei Grundsatzwissen befragt - schon mal ins Schleudern geraten. Ihr Hinweis, auch studierte Frauenbeauftragte erreichten eher wenig, ist zudem völlig richtig.

Lengsfeld, bekennende SED-Hasserin (was sie überlicherweise nahtlos auf die Linke überträgt), lobt derweil den "A...in der Hose" der Linken Wawzyniak, was womöglich zu völlig neuen Koalitionsspekulationen führt. Das könnte den vor Seriosität ergrauenden FDP-Chef Guido Westerwelle ins Grübeln bringen. War sein 18-Prozent-Spaßwahlkampf einfach nur schlechtes Timing? Zu früh ist manchmal eben genauso schlecht wie zu spät. Wobei sich das konservative Führungsduo in spe, Merkel und Westerwelle, gar nicht anstrengen muss, progressiv zu wirken. Eine Frau als Kanzlerin und ein Schwuler als ihr Vize - so was hat die hausbackene Combo um SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier nicht zu bieten. Der hat ein schönes Programm, aber auch eine unschöne Affäre.

Hier ein Rat: Ulla Schmidt zusammen mit Peter Hintze, Pfarrer und Raumfahrtkoordinator, auf den Mond schießen - zur Erstbesiedelung. Britney Spears darf sich zu ihnen gesellen. Sie verspricht, einen Nachtclub auf dem Mond zu eröffnen, sollte sie je US-Präsidentin werden.

Charima Reinhardt, freie Autorin, war Vizesprecherin der rot-grünen Bundesregierung.

Datum:  23 | 8 | 2009
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Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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