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Kolumne: Babyface ist selten spitze

Was, wenn die schwarz-gelbe Koalition tatsächlich auseinanderbricht? Wie ginge es weiter es mit all den Westerwelles, Schröders, Ramsauers? Von Mario Müller

Mario Müller ist freier Autor.
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Foto: FR

Was, wenn die schwarz-gelbe Koalition tatsächlich auseinanderbricht? Wohin mit dem ganzen Regierungspersonal? Okay, Angela Merkel könnte als Konfliktberaterin in Berlin-Neukölln ihre kabinettreifen Erfahrungen einbringen, Ursula von der Leyen eine Kita für Sprösslinge von Hartz-IV-Empfängern aufmachen und Rainer Brüderle endlich Weinkönigin von Maikammer werden. Aber wie stünde es mit all den Westerwelles, Schröders, Ramsauers? Käme Philipp Rösler als Barfußarzt der AOK in Mecklenburg-Vorpommern wirklich auf genügend Krankenscheine?

Keine Sorgen um seine Karriere muss sich hingegen Karl-Theodor von und zu Guttenberg machen. Der einstige Wirtschafts- und jetzige Verteidigungsminister gilt, glaubt man Umfragen, als der vertrauenswürdigste Politiker der Republik. Da er in Berlin bislang keine Bäume ausgerissen hat, geht wohl nicht fehl, wer Guttenbergs Popularität mit seiner Erscheinung in Verbindung bringt. Selbstbewusstes Auftreten, kantiges Kinn, streng nach hinten gegeltes Haar: Der Mann wirkt einfach kompetent. Und hätte deshalb die besten Chancen auf eine hoch dotierte Spitzenposition in einem Großunternehmen.

Aber zählen in der "freien Wirtschaft" nicht andere Attribute? Denkste. "Kompetentes Aussehen" spielt bei Auswahl wie Bezahlung von Vorstandschefs eine keineswegs zu unterschätzende Rolle. Das fanden jedenfalls drei Wirtschaftswissenschaftler der US-Universität Duke heraus. In Tests ließen sie knapp 2000 Personen Fotos von real existierenden Führungskräften und von Nicht-Managern nach vier Kriterien beurteilen: gutes Aussehen, Kompetenz, Vertrauenswürdigkeit und Sympathie. Das Ergebnis des "Schönheitswettbewerbs", das kürzlich vom renommierten National Bureau of Economic Research (NBER) veröffentlicht wurde: Vorstandschefs werden im Vergleich zur Kontrollgruppe als kompetenter und attraktiver wahrgenommen. Andererseits kommen sie weniger sympathisch und vertrauenswürdig rüber.

Für Psychologen sind derartige Erkenntnisse nicht überraschend. In Studien wurde festgestellt, dass sich anhand des Aussehens der Kandidaten mit relativ großer Sicherheit vorhersagen lässt, wer eine politische Wahl gewinnt. Andere Untersuchungen haben herausgefunden, dass attraktive Menschen oft höhere Einkommen - einen "Schönheitsbonus" - erhalten, obwohl sie nicht mehr leisten als ihre hässlicheren Kollegen. Ähnliches gilt den Duke-Forschern zufolge auf Führungsetagen: Kompetenter aussehende Manager kassieren mehr Geld, auch wenn von ihnen geleitete Unternehmen keineswegs erfolgreicher arbeiten.

Offenbar ist es typisch menschlich, aus der äußeren Erscheinung auf Eigenschaften zu schließen. Erwachsene mit Babyface - große runde Augen, hohe Brauen, kleines Kinn - gelten als naiv, nett, brav. Ihnen wird weniger Kompetenz zugeschrieben als Leuten mit "reifen" Gesichtszügen. Das ist zwar ziemlicher Kokolores, wie Psychologen wissen, beeinflusst aber gleichwohl viele Entscheidungen. Und erklärt auch, warum Frauen selten Spitzenpositionen in Unternehmen erreichen: Es fehlt ihnen meist an den erforderlichen harten Gesichtszügen mit dem kantigen Kinn.

Allerdings stellt sich die Frage, wie Josef Ackermann oder Christian Wulff unter diesen Umständen Karriere machen konnten. Auch für Roland Kochs Zukunft in der Wirtschaft müsste man wohl schwarzsehen.

Mario Müller ist freier Autor.

Autor:  Mario Müller
Datum:  21 | 6 | 2010
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Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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