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09. November 2011

Kolumne: Der neue Politikstil der Frauen

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Mag sein, dass Frauen keine bessere Politik machen als Männer. Aber etliche von ihnen treten dabei anders auf, strahlen anderes aus, wirken anders nach. Sie erledigen ihren Job und gucken dabei öfter auf ihre To-do-Listen als in den Spiegel.

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Frauen messen Erfolg und Misserfolg nicht vor allem daran, wie oft sie im Fernsehen, im Radio oder in der Zeitung auftauchen. Sie sind ehrgeizig, gewiss. Sie sind machthungrig, kein Zweifel. Man muss längst nicht alle von ihnen mögen. Aber man sollte anerkennen, dass viele von ihnen es schaffen, nicht pausenlos um die eigene Person und ihre Wirkung nach außen zu kreisen.

Zum Beispiel Angela Merkel in den heißen Tagen der Euro-Krise. Ganz gleich ob man falsch oder richtig findet, was die Bundeskanzlerin in Brüssel, Berlin und anderswo maßgeblich aushandelt: Dass sie selbst in diesen dramatisch zugespitzten Zeiten ohne große Worte, große Gesten und eine große Show zugunsten der eigenen Person agiert, ist offenkundig – und keineswegs selbstverständlich. Man male sich nur einmal aus, wie wohl ihre Vorgänger in vergleichbaren Situationen aufgetreten wären: Als heldenhafte Retter Europas, selbstherrlich-pompös Helmut Kohl oder kraftmeierisch-breitbeinig Gerhard Schröder. Und Peer Steinbrück, der Merkel gerne nachfolgen würde, hat um sein Schaulaufen mit Helmut Schmidt mehr Getöse veranstaltet als zur genau gleichen Zeit die Kanzlerin um ihre wirklich wichtigen Verhandlungen über die Zukunft des Euro.

Oder Hannelore Kraft, seit Sommer vergangenen Jahres Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens: Der rot-grünen Koalition dort fehlt eine eigene Mehrheit, die öffentlichen Kassen sind leer, die Probleme groß. Man kann Krafts politischen Kurs gutheißen oder nicht – dass sie das größte Bundesland unter ziemlich schwierigen Bedingungen recht effizient und dabei geräuscharm und ohne nennenswerten Kult um die eigene Person regiert, lässt sich schwerlich bestreiten. Und mit ihrer eher nüchternen Art setzt sie sich wohltuend von der Performance früherer Männer in diesem Amt ab: dem gravitätischen Übervater Johannes Rau etwa, der launischen Diva Wolfgang Clement oder dem schrecklich pfauenhaften Jürgen Rüttgers.

Und schließlich Claudia Roth: Mit einer kurzen Pause hält sie sich seit rund zehn Jahren an der Spitze der Bündnisgrünen. Ob man Roths inhaltliche Positionen teilt oder sie ablehnt, ob man ihre oft emotionale Art mag oder nicht, ob einem ihr schrilles Äußeres liegt oder fremd ist: Sie hat die niemals einfachen Grünen erfolgreich durch allerlei raue Wasser in Zeiten von Opposition und Regierung geführt – und sich dabei längst nicht so großspurig und überheblich in den Mittelpunkt gestellt und in Szene gesetzt wie etwa ihr Parteifreund Joschka Fischer als Abgeordneter oder gar als Minister.

Vielleicht sind Frauen wie Merkel, Kraft oder Roth Vertreterinnen eines neuen Politiker-Typs: eitel zwar auch sie, das lässt sich von diesem Beruf kaum trennen. Aber weniger eitel als viele männliche Kollegen und mehr auf die jeweilige Sache als auf sich selbst bezogen. Und vielleicht färbt dieser Stil ja sogar auf manche Männer in dem Metier ab, zumindest auf die jüngeren, diejenigen, die noch bereit sind, von einigen ihrer Kolleginnen zu lernen. Gib’s der Herr – oder die Dame– im Himmel!

Ferdos Forudastan ist freie Journalistin.

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