Die Steigerung von Feind sei Parteifreund, sagen jene, die sich mit dem Innenleben einer politischen Partei herumplagen müssen. Und weil das so ist, kann man die gehässigsten Bemerkungen über die FDP aus ihren eigenen Reihen hören. Besonders leiden gerade die Freidemokraten in NRW, denn sie stehen vor einer Wahl. An Rhein, Ruhr und Lippe tritt ein schwarz-gelbes Bündnis zur Wiederwahl an.
Ich habe die Karnevalstage in Düsseldorf verbracht und den Weisen an den Stammtischen gelauscht. Und sehe nun schwarz, genau gesagt: schwarz-grün. Die FDP war einst die sympathischste Partei der Republik. Man konnte nicht liberaler und bürgerlicher und weltmännischer sein. Edles Tuch. Daran hat in NRW zunächst ein Herr Möllemann einiges geändert. Westerwelle hat diesen stets mit Magenbitter bewehrten Antisemiten überlebt und seine Partei in Düsseldorf wie in Berlin an die Macht geführt. Strahlt nun der Erfolg von der Spree an den Rhein? Die Aussichten für die anstehende Wahl sind prekär. Den stellvertretenden Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens stellt die FDP mit Andreas Pinkwart, einem sopranen Fachhochschulprofessor, den in den Kneipen niemand für voll nimmt.
Bekanntester FDP-Minister im Kabinett Merkel ist Guido Westerwelle, aber nur ein gutes Drittel der Wahlberechtigten ist mit seiner Arbeit zufrieden. Westerwelle hat noch immer die Aura eines Strebers aus dem miefigen Bonn. Auf internationaler Bühne heimst er jenes Lob ein, das man aus der Behindertenpädagogik kennt: Das hat er so nicht schlecht gemacht, sagen die Leute, und sind erleichtert, nicht blamiert worden zu sein.
Mit der Nummer zwei in der Bekanntheit der FDP-Minister, Philipp Rösler, sind drei Viertel der Wahlberechtigten nicht zufrieden. Wenn es Westerwelle an Statur mangelt, dann wirft Röslers Habitus Fragen auf, ob er erwachsen ist. Die ihm eigene Kombination von Gefallsucht und Musterschülerambition ist Lichtjahre von jenem Charisma entfernt, das politische Führung ermöglicht.
Der dritte im Bunde ist Rainer Brüderle, ein gefürchteter Weinköniginnenküsser, der eigentlich so lange als erfolgloser Politiker hat üben können, dass man nicht versteht, warum er es noch immer nicht zu jenem Quantum an Würde bringt, das einst Graf Lambsdorff diesem Amt zu geben wusste. Schlabbermaul, mäkeln die Leute. Das Justizressort wird von einer Dame im Gestus einer Betriebsratsvorsitzenden geführt.
Das alles höre ich an Düsseldorfs Stammtischen. Wiedergegeben habe ich nur jenen Teil, der zitierfähig ist und meiner Wahrnehmung entspricht. Kein Verstecken hinter der Stimme des Volkes. Wie bitte? Ob vielleicht jemand irgendetwas über Dirk Niebel gesagt hat? Nein, niemand hat etwas über den Entwicklungshilfeminister gesagt, der sich in einem Ressort satt isst, das er doch eigentlich abgeschafft sehen wollte.
Der alte CDU-Fahrensmann Rüttgers, durchaus geschätzter Ministerpräsident in NRW, leidet wie ein Hund an dem Gelbfieber. Und umsorgt die Grünen mit großer Geduld. Da ist was im Busch. Hier entsteht eine neue Architektur der Republik. Prophezeiten die Jecken an den Stammtischen im Karneval. Die Prognose hat Aschermittwoch überstanden. Jetzt hat sie auch den Segen der Kirche. Sie wird wahr werden.
Professor Klaus Kocks ist Meinungsforscher.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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