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17. September 2012

Kolumne: Die Grünen recht alt

 Von Götz Aly
Die Grünen Renate Künast und Jürgen Trittin. Foto: dpa

Die Grünen sind in die Jahre gekommen - in der Bundespartei scheint es keinen Nachwuchs zu geben. Auf diesem Weg sind die Grünen dabei, sich abzuschaffen.

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Vergangene Woche ließ Ilse Aigner (48) durchblicken, wie sie demnächst Markus Söder beiseite und den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer, alias crazy Horst (63), aufs Altenteil schieben wird. Nichts gegen alte Leute, schon im eigenen Interesse, aber schaut man sich zum Beispiel die Oberen der grünen Partei an, drängt sich die Frage auf: Brauchen wir nach dem Ende der DDR eine zweite Gerontokratie, eine Herrschaft rüstiger Senioren, die an der Macht kleben? Nimmt man die Spitzengrünen Claudia Roth, Renate Künast, Cem Özdemir, Jürgen Trittin, Volker Beck und Hans-Christian Ströbele, also diejenigen, die ihren Kopf gelegentlich im Fernsehen zeigen, dann wird deren Durchschnittsalter im Wahljahr 2013 an die 60 Jahre heranreichen.

Wo bleibt der Nachwuchs dieser Partei? Es gibt ihn offenbar nicht, jedenfalls nicht in der Bundespolitik. Dazu passt, wie der gewiss verdienstvolle Bundestagsabgeordnete Ströbele (Jubiläumsjahrgang 1939) soeben sein Interesse begründete, abermals für den Bundestag zu kandidieren: „Ich möchte die Bundestagsfraktion nicht alleinlassen.“ Herrlich, die grüne Fraktion als Feierabendkreis, als selbstbetreute Alten-WG! Auch das Europäische Parlament bestücken die Grünen nach dem beliebten Motto „Haste ‘nen Opa, schick‘ ihn nach Europa“. In Zeiten der Schuldenkrise und der Debatten über die Frage, wie sich die Europäische Union erneuern könne, hört man von den zwischen Straßburg und Brüssel pendelnden Bütikofers, Schultzes und Cramers nichts, es sei denn, es ginge um Fahrradwege längs des einstigen Eisernen Vorhangs oder um bedrohte Lurche in den südostlettischen Sümpfen.

Den grünen Altvorderen ist der Erhalt ihrer Positionen glänzend gelungen. Doch wären die Piraten weniger verworren, die FDP nur halb so unbeholfen und würde die Linke sich mit realpolitischen Maximen anfreunden, wäre es um die Grünen schnell geschehen. Dank der Schwäche anderer werden die grauen, schlohweißen oder schrill eingefärbten ParteiseniorInnen noch länger ihre Runden schieben. Die Grünen erwarben sich beachtliche Verdienste in der Vergangenheit – jetzt arbeiten sie am Untergang.

Wer sich von derartiger Tristesse erholen möchte, dem sei der aktuelle Film „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“ ans Herz gelegt. Regisseur Andreas Dresen ist damit das Porträt eines engagierten, geduldigen und dezent witzigen Abgeordneten gelungen, vor allem aber zeigt er eines: Unsere Politiker sind im Schnitt weit besser als wir, das von ihnen repräsentierte Volk; wir brauchen sie, weil sie für uns Konflikte lösen, die wir ohne sie niemals beherrschen könnten, weil sie sich – vergleichsweise dürftig bezahlt – für eine Gesellschaft abrackern, die sonst im Sumpf partieller Obsessionen und Egoismen versinken würde. Henryk Wichmann (Jahrgang 1977) ist uckermärkischer CDU-Abgeordneter im brandenburgischen Landtag, Jurist und Vater von drei Kindern. Er sucht den lieben langen Tag Kompromisse, wo die einen Hartz IV für alle Raucher abschaffen wollen und die anderen sich ausschließlich um das Wohl des Schreiadlers kümmern. Das Publikum lacht schallend – über sich selbst. Herr Wichmann, das ist einer der politischen Helden des Alltags, die wir dringend brauchen, nicht nur in der CDU.

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