Vergangene Woche überraschte uns ein Wirtschaftsinstitut mit dieser schönen Nachricht: Die konjunkturelle Talsohle sei durchschritten, es gehe wieder aufwärts. Entsprechend steige die Stimmung der Deutschen. Sie seien bereit, wieder mehr Geld auszugeben. Gleichzeitig sank die Arbeitslosigkeit deutlich.
Das prima Klima wollte so gar nicht zur zeitgleich eskalierenden europäischen Krise passen, die das von der Pleite bedrohte Griechenland ausgelöst hat, zumal mit Portugal, Italien, Irland und Spanien sogleich weitere "Pigs" ausgemacht waren, wie die Finanzwelt die Wackelkandidaten wenig schmeichelhaft abkürzt. Börsianer warfen besorgt die Stirn in Falten und sprachen angesichts fallender Kurse von "hochsensiblen Märkten".
Erst kippen Banken - dann wackelt die Wirtschaft. Nun muss der Staat helfen. Reden Sie mit über Wege aus der Krise
Es schlägt die Stunde der so genannten Experten, von denen jeder etwas anderes sagt und jeder ein anderes Rezept hat. Mag sein, dass da ein gewisser Fatalismus um sich greift, was allemal besser ist als Panik. Wir lernen, dass Griechenland-Anleihen nur noch "junk", also Schrott sind, was schlecht ist für unsere in solche Anleihen investierenden Lebensversicherungen.
Wir lernen, dass die Griechen lange fröhlich über ihre Verhältnisse gelebt haben, während bei uns Vizekanzler Guido Westerwelle von "spätrömischer Dekadenz" spricht, wenn es um vielleicht etwas mehr Geld für Hartz-IV-Empfänger geht, auch wenn die ganz offenkundig weit entfernt sind von einem Leben ins Saus und Braus.
Nach der Krise ist vor der Krise
Und was macht unsere politische Führung, wenn sie uns mal gerade nicht beschimpft? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist gesundheitlich angeschlagen, ausgerechnet jetzt, wo er alle seine Kräfte braucht. Schon, um die "eiserne" Kanzlerin einzufangen. Deren Blick war derart starr auf Nordrhein-Westfalen gerichtet, wo ihrer CDU bei der Wahl am 9. Mai die Mehrheit abhanden kommen könnte, dass sie vom erwartbaren Hilferuf Griechenlands überrumpelt schien.
Vor laufenden Kameras trug sie stotternd schlecht gelernte Sätze vor und gab dem Volk, was sie meinte, das es hören wollte: Bares gegen Sparen, sonst Kalinichta, gute Nacht, ihr Griechen.
Wir lernen: Nach der Krise ist vor der Krise. Aber wir lassen uns nicht irre machen. Nach Bankencrash und internationaler Wirtschaftsflaute rechnen wir unverdrossen mit besseren Zeiten. Sogar an baldige Steuersenkungen glauben etliche. Möglicherweise ist die Stimmung besser als die Lage.
Was ist das? Ein für Deutsche untypischer Anfall von Übermut? Ein Propagandaerfolg der Steuersenkungs-FDP? Oder gar ein Tanz auf dem Vulkan: Noch einmal ordentlich prassen, bevor alles den Bach runtergeht? Vielleicht handelt es sich auch nur um eine nüchterne Erkenntnis: Allzu viel sparen lohnt nicht, im Zweifel fressen höhere Steuern, Gebühren oder Inflation das Ersparte auf. Und schließlich: Wer nichts hat, der kann auch nichts verlieren.
Die Gerüchteküche wabert, was alles auf uns zukommen kann nach der NRW-Wahl am 9. Mai. Von Steuererhöhungen statt Steuersenkungen ist die Rede, von Leistungskürzungen sowieso. Nein, die Lage ist nicht wirklich zu unserer Beruhigung angetan. Wir aber wollen keine Weltmeister im Angsthaben sein, auch im Sparen nicht (da haben uns die Chinesen weit überrundet). Wir lassen es uns gut gehen, immer schön nach dem Motto: Don´t worry, be happy.
Charima Reinhardt, freie Autorin, war Vizesprecherin der rot-grünen Bundesregierung.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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