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16. Dezember 2013

Kolumne: Heinzi Hoffnungsträger

 Von Tom Schimmeck

Hinz und Kunz wird uns heutzutage als eine Art XXL-Retter verkauft. Ein unpolitisches und dämliches Konzept.

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Es ist der pure Sprachkitsch, passend zum lichtarmen Advent: Man nehme eine bange Schar in höchster Not ins Auge, rissige Hände umklammern in eiskalter Nacht den letzten, schwach flackernden Kerzenstumpf. Da tritt er hervor, trara: jener XXL-Retter, der ihr gar düstres Schicksal per Handstreich wenden wird. Der Held. Der Messias. Der „Hoffnungsträger“.
Die Zeiten – bzw. Köpfe – müssen wahrlich hoffnungslos sein. Jeder dumme Hinz und jeder dreiste Kunz steigt neuerdings flugs zum Hoffnungsträger auf: Trainer, Manager, Schauspieler, Parteichefs. Sie leuchten den verschreckten Schäflein heim. Sie retten, was kaum mehr zu retten scheint. Ein jeder, der im Brustton der Überzeugung einen ganzen Satz bilden kann – oder doch einen Bekannten oder Verwandten hat, dem solches schon mal gelungen sein soll, darf uns nun ein Quäntchen Hoffnung herbeischleppen. Halleluja.
Dabei reicht circa 1x Nachdenken, um zu erkennen: Dies ist ein bequemes und vordemokratisches, ein rundum unpolitisches und eigentlich ziemlich dämliches Konzept. Demzufolge wir Unterlinge nur fromm auf den nächsten charismatischen Führer warten müssen. Keiner von uns soll selbst etwas tun. Nicht denken, nicht fragen, nicht Stellung beziehen. Nur harren. Dann folgen!
Das Märchen ersetzt hier die Analyse. Wenn alle Kategorien futsch sind, bleibt nur noch Kerzenschein. Jetzt kommt der Heiden Heiland. Sobald die Kacke richtig dampft, schwebt ein Supermann herbei und wedelt mit dem Zauberstab. Und, simsalabim, alles wird gut.
Sogar die FDP könnte womöglich überleben. Dank Christian Lindner, dem, schmeicheln „Focus“, die ARD, das ZDF, die dpa und so ziemlich alle Tageblätter (selbst dieses ehrwürdige), nagelneuen „Hoffnungsträger“ der FDP. (Als solche firmierten übrigens schon etliche seiner gescheiterten Vorgänger.)
So verschränken sich im Mode-Leerwort Hoffnungsträger die Trends zur Personalisierung, zur Emotionalisierung, zum Event. Vitali Klitschko, meldet das „Handelsblatt“, sei „Hoffnungsträger Hunderttausender Menschen“, und „Volksheld“ obendrein. Fassbrause, weiß die Welt, ist für den Absatz deutscher Brauereien der „neue Hoffnungsträger“. Zu Hoffnungsträgern wurden in den letzten Tagen außerdem erklärt: China, die neue Boeing 777, Hassan Ruhani, Goldener Reis, Matteo Renzi, der Opel-SUV Mokka, der Blackberry Z30, Daniel Brühl, die Donau, der Fernbusverkehr, die katholische Kirche Kubas und natürlich Nelson Mandela. Reanimiert wurden zudem: John F. Kennedy, Willy Brandt und selbst der nun – es war absehbar – zur AfD abgedriftete Ex-Industrielobbyist und Hochleistungs-Talker Hans Olaf Henkel.
Auch im Sport wimmelt es längst von diesen Gefühlskulis. Jeder zweite Skispringer, Biathlet, Rennfahrer, Mittelfeldspieler stemmt 100 Tonnen Hoffnungen aller Art. Eine Firma namens Hoffnungsträger („handmade in Hamburg“) bietet derzeit Buddha-Glücksbänder, Voodoo-Püppchen und Mala-Kettchen feil, darunter die Modelle „Klimbim-Fun“ und „Herzpeace-fun pink Batik“.
Denn die Hoffnung, lautet eine ähnlich populäre Flach-Phrase, stirbt zuletzt. Gleich nach dem Hoffnungsträger. Kurz vor der FDP und dem Katholizismus. Kennedy ist ja schon tot.

Tom Schimmeck ist Autor.

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