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08. September 2012

Kolumne: Liebe Biogemüse-Studie!

 Von 
Bio ist gar nicht gesünder, heißt es jetzt.  Foto: dpa

Wir ruinieren mit unserem Gefresse von Schrottnahrung die Gesundheit und Zukunft Minderprivilegierter.

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"Bio ist nicht gesünder", lautet die neueste Nachricht, aus der, wie manche vielleicht sagen würden, Welt der Haferflocken. Wissenschaftler der Stanford Universität in Kalifornien haben Studien ausgewertet, deren Beobachtungszeitraum zwischen 2 Tagen und 2 Jahren lag. Man wundert sich, was man in zwei Tagen nicht alles feststellen kann. Dass sich das Pestizid im Apfel, den der Proband von Montag bis Mittwoch aß, am Donnerstag bei der Röntgenuntersuchung auf Leber und Lunge nicht bemerkbar machten?

Die Behauptung, der Genuss von konventionell angebauten Lebensmitteln sei im Vergleich zur Bioware nicht ungesünder, ist deshalb ein Fall für den Mülleimer, weil es für diese These keine einzige Langzeitbeobachtung gibt. Als Beweis bräuchte man drei Kontrollgruppen. Eine „Biogruppe“, eine „konventionelle Gruppe“ und eine „Mischgruppe“. Am besten mit Kindern. Man müsste penibel darauf achten, dass alle Gruppen während der Untersuchung das Gleiche essen, ähnlich leben, arbeiten und auf dem gleichen Fleck Erde leben. Dann müsste man prüfen, wer unfruchtbarer ist, mehr Allergien, Depressionen, Krebs, Haut- und Atemwegserkrankungen, Hormonstörungen, Parkinson und so weiter hat. Hat man aber nicht.

1939 wurde in England eine 25 Jahre andauernde Vergleichsstudie begonnen. Nicht mit Menschen, sondern mit Äckern. Das unter Kennern der Materie bekannte Haughley Experiment, aus der die Idee des Biosiegels entstand, brachte in dieser weltweit ersten Ökolangzeitstudie zutage, dass jener Boden mehr Regenwürmer hatte, fruchtbarer und gesünder war, der biologisch bewirtschaftet wurde. Nun soll eine Rübe von diesem Acker keinen Unterschied für den Menschen machen verglichen mit einer Rübe, die mit Herbiziden behandelt wurde und vom Acker stammt, der durch Schwermetalle kontaminiert ist?

Das Ignorieren dieser Aspekte ist noch kein Grund zur Aufregung. Die bodenlose Unverschämtheit besteht darin, dass es bei dem ganzen Getue immer nur um das Wohlbefinden des feinen Herrn Europäers und des Fräulein Nordamerikas geht. Ist Bio gesünder? So lautete die Fragestellung der Wissenschaftler aus Stanford. Nachfrage der Kolumnistin: für wen? Man könnte doch mal in einer der wenigen Langzeitstudien des Cancer Registry of Central California an Beschäftigten in der konventionellen Landwirtschaft schmökern. Im Vergleich zur Kontrollgruppe erkrankten die Landarbeiterinnen zu 59 Prozent mehr an Leukämie, 63 Prozent mehr an Gebärmutterhalskrebs, 68 Prozent mehr an Gebärmutterkrebs und 69 Prozent mehr an Magenkrebs. Dabei haben sie das Zeug nur gepflückt und nicht gegessen!

Bei den Untersuchten handelte es sich größtenteils um Saisonarbeiter hispanischer Abstammung. Was wir konsumieren, ist keine Frage des Geschmacks, sondern eine politische Entscheidung. Wir ruinieren mit unserem Gefresse von Schrottnahrung aus der Schrottproduktion, Gesundheit, Ressourcen und Zukunft minder privilegierter Menschen. Steht alles bereits in Texten der Reformbewegung und über die Anfänge des biologischen Landbaus. Manche Publikation darüber ist fast Hundert Jahre alt! Trotzdem gibt es aber immer noch Menschen, die unbedingt glauben wollen, dass man durch Gift essen, gesund und schön wird.

Ihre Mely Kiyak

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