Schon mitgekriegt? Der junge Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz aus Chemnitz weiß, wie unser Gesundheitssystem kostengünstiger, besser und effizienter wird: „Es muss die Frage erlaubt sein, ob die immensen Kosten, die durch übermäßigen Esskonsum entstehen, dauerhaft aus dem solidarischen System beglichen werden können. Ich halte es für sinnvoll, dass bewusst ungesund lebende Menschen auch in finanzieller Hinsicht eine Verantwortung dafür tragen.“
Klar ist die Frage erlaubt! Ein ungeschriebenes Gesetz besagt nämlich, dass Parlamentsferien die fünfte Jahreszeit der Politik sind. Sobald die Partei- und Fraktionsspitzen wieder da sind, hat die Narretei ein Ende, und Wanderwitz bleibt nur übrig, das zu tun, was er sonst tut. Nämlich Pressemitteilungen schreiben, in denen er fordert, dass das Berliner Radio Paradiso nicht schließen darf. 20000 Hörer, die täglich die „Gedanken zum Auftanken“ einschalten, können unmöglich irren, meint er. Hat der eine Ahnung! Auf der Homepage von Paradiso steht der Programmhinweis für die Montagssendung „Life Coaching Paradies“ mit „Emotionscoach Eilert“ zum Thema: „Das Geheimnis der Eskimos – Ernährung für ein emotionales Gleichgewicht“. Eilert will von einer Studie wissen, nach der 60 Prozent aller Junkfood-Konsumenten Depressionen hätten. Die Quelle hat er vorsichtshalber nicht genannt, weil dann sofort klar wäre, dass es für ein Medizinstudium nicht gereicht hat, sondern lediglich für einen Besuch bei den Inuit.
Unser Parlamentarier jedenfalls ist ein Riesen-Fan des laut Selbstbeschreibung „Senders mit Gefühl“, und vielleicht gibt es schon bald fangfrische Walrösser und Karibus im Supermarkt um die Ecke? Wanderwitz hat sich möglicherweise nicht einmal die Hälfte der Gedanken über seine Forderung gemacht, wie ich schon Kalorien an dieser Kolumne verbraucht habe, um mich auf die Seite der Dicken und Gemütlichen zu rollen.
Hätte der Schlauberger nachgeschaut, welche Krankheiten die größten Kostenverursacher sind, wüsste er, dass es sich dabei um Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Hypertonie, Depression, Rückenleiden sowie Zahn-Behandlungen handelt. Nun haben aber nicht alle Dicken Bluthochdruck, aber manche Hypertonie-Patienten haben Übergewicht. Die genetische Vorbelastung spielt dabei ebenso eine Rolle wie stressauslösende Faktoren. Dazu zählen Äußerungen von Politikern, die gern Radio Paradiso hören, dort Gedanken auftanken und anschließend frisch gestärkt an die Öffentlichkeit treten und Hypertonie verursachen.
Da muss doch wohl die Frage erlaubt sein, ob die immensen Folgekosten, die das Hören schlechter Radiosendungen verursacht, dauerhaft aus dem solidarischen System beglichen werden können. Ich halte es daher für sinnvoll, dass junge Abgeordnete, die während der Abwesenheit ihrer Chefs mal „einen auf dick machen“, also ganz bewusst eine adipositäre Haltung an den Tag legen, dafür in finanzieller Hinsicht die Verantwortung tragen.
Wie kommt eigentlich so ein Vorschlag im Wahlkreis des CDU-Abgeordneten an? Die erzgebirgische Küche lebt von fett- und stärkehaltigen Süßspeisen wie „Quarkkäulchen“ und „griene Glitscher“.
Es grüßt und fordert höhere Krankenkassenbeiträge für die gesamte Region Chemnitz-Zwickau, Ihre Mely Kiyak.
Mely Kiyak ist freie Autorin.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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