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Kolumne: Liebe Ilse Aigner!

Plastikwurst auf Plastikbrot. Schlechtes Essen, wohin das Auge sieht. Willkommen in der ernährungsphysiologischen Hölle eines reichen Staats, Frau Landwirtschaftsministerin. Sie subventionieren das Ganze ja. Von Mely Kiyak

Mely Kiyak ist freie Autorin.
Mely Kiyak ist freie Autorin.
Foto: FR

Früher glaubte ich, Sie wären Sprecherin des bayerischen Bauernverbandes. Jetzt lese ich auf Ihrer Homepage, dass Sie Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sind. Ach soo!

Häufig beklagen Politiker, das Volk ernähre sich und seine Kinder falsch und stelle damit ein hohes gesundheitliches Risiko und infolgedessen eine Belastung für das Gesundheitssystem dar. Was für eine Anschuldigung! Ist es nicht vielmehr so, dass die Politik die Plastikbauern und künstlichen Erzeuger-Imperien durch exorbitante Subventionen am Leben erhält?

Wir haben bloß fünf Prozent Biolandwirtschaft. Die restlichen Landwirte versauen die Ehre dieses wertvollen Berufsstands, indem sie Chemie auf ihre monokultivierten Äcker kippen oder ihrem Vieh Medikamente zu essen geben. Die verseuchten Grundnahrungsmittel werden zur Weiterverarbeitung geschändet und anschließend getötet als Kondensmilch oder Schmelzkäsezubereitung angeboten. Je größer ein Nahrungsmittelkonzern, je gepanschter, chemischer und künstlicher sein Produkt ist, desto mehr Millionen werden überwiesen.

Nun soll es aber ein Fehler sein, diese Erzeugnisse zu essen? Wenn der Schrott, so ein Schrott ist, weshalb wird er denn unterstützt? Fordern Sie doch das Ende der Subventionen für Nestlé, Kraft, Dr. Oetker, Müller Milch, Westfleisch, Südzucker und so weiter.

Und wo ist die Vorbildfunktion des Staats? Weshalb wird in öffentlichen Einrichtungen Dreck serviert? Wohin man auch schaut, die Nahrung besteht aus Chemie, Farbstoffen, Emulgatoren und sonstigen unappetitlichen Faktoren.

Letztes Jahr hatte ich aus privaten Gründen ausreichend Gelegenheit, das Speisenangebot auf Krebsstationen zu sehen und zu kosten. Menschen, die sich einer kraftraubenden Strahlen- und Chemotherapie unterwerfen müssen, bekommen Pudding, Kartoffelbrei, Obst aus Tüten und Konserven. Abends wird zum Plastikbrot, Plastikkäse und Plastikwurst serviert. Kein frisches Gemüse, keine warme Suppe. Für zwischendurch steht Plastikjoghurt mit Zucker und Aroma bereit.

Gesundheit, Kraft und Lebensfreude beginnen beim Essen. Wie soll man einen Überlebenskampf mit Scheißeessen gewinnen? Deutsche Krankenhäuser sind ernährungstechnisch auf dem gleichen Stand wie Feldlazarette in Kriegsregionen. Überall haltbar gemachte, ultrahocherhitzte, stabilisierte eingeschweißte Masse. Willkommen in der ernährungsphysiologischen Hölle eines reichen Staats. Soßen, wie man sie in deutschen Kantinen, Mensen, Ministerien oder Medienanstalten bekommt, stammen aus Pulver, das, durch Nässe aufgebläht, über Objekte namens Fleisch, Gemüse und Kartoffeln gekippt wird.

In einem Pflegeheim sah ich, wie man ausgedörrte Alte ermunterte, ihre Karottenstücke zu lutschen und auszuspucken, statt ihnen in der Küche einen frischen Brei zu kochen und sie mit Vitaminen aufzupäppeln. Aber aktive Sterbehilfe verbieten!

Warum sind Sie gegen die Kennzeichnungspflicht? Warum sind Sie für den Anbau von Genkartoffeln? Warum sind Sie dagegen, dass man seltener, dafür aber besseres Fleisch isst? Haben Sie sich nach eineinhalb Jahren Ministertätigkeit noch nicht satt geekelt?

Fragt düpiert und püriert,

Ihre Mely Kiyak

Mely Kiyak ist freie Autorin.

Autor:  Mely Kiyak
Datum:  20 | 2 | 2010
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