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15. März 2013

Kolumne: Liebe Kirche und Gesellschaft!

 Von Mely Kiyak
Kardinäle verfolgen im Petersdom eine Messe, bevor sie sich zur Wahl des neuen Papstes zurückziehen.  Foto: dpa

Dieser Club ist nicht auf Mitbestimmung angelegt und nicht dazu da, für Gleichberechtigung zu kämpfen.

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Eine Menge Menschen fordern, dass die katholische Kirche sich gefälligst öffnen solle. Offenbar ist nicht allgemein bekannt, dass Kirchen nicht Orte der Öffnung sind, sondern als Orte der Abgrenzung gegründet wurden. Eine Abgrenzung gegen Andersgläubige. Die unique selling proposition der katholischen Kirche, so nennt man in der Marketingsprache das Alleinstellungsmerkmal, weshalb man ein Produkt konsumieren soll, ist das Paradies und die Wiederauferstehung. Niemand ist gezwungen, das Produkt zu kaufen. Ohnehin stellt sich die Frage, ob der Mensch sich einer Kirche anschließt, um für Demokratie einzutreten. Strebt das Kirchenmitglied nicht vielmehr an, (durch Gott, die heilige Schrift und einige persönliche Ansprechpartner auf Erden) „geführt“ zu werden?

Dieser Club ist nicht dazu da, für Gleichberechtigung zu kämpfen. Mitglied der katholischen Kirche können nur Katholiken sein. Katholik ist, wer sich an die Regeln des Katholizismus hält. Die Regeln des Katholizismus offenbaren sich einer gewählten Person, die den Geist Jesus Christus’ eingehaucht bekommen hat, sein Stellvertreter auf Erden ist und deshalb die höchste und universale Gewalt (Primatialgewalt)in sich trägt. Für alle, die es nicht begreifen wollen: Dieses System ist nicht auf Mitbestimmung angelegt!

Wer sich darüber aufregt, dass Homosexuelle nicht gleich behandelt werden, dass Reiche ihren Reichtum nicht mit Armen teilen, dass Flüchtlinge nicht human behandelt werden und, dass eine Horde alt aussehender Männer meint, an erzkonservativen Prinzipien festhalten zu müssen, sollte sich an der CSU abarbeiten. Denn Demokratie, Aufklärung und Reformen werden nicht in Kirchen gemacht, sondern in Parteien.

Es spielt keine Rolle, was Kirchen fordern oder blockieren, so lange wir nicht zulassen, dass Lobbyverbände (Kirchen sind nichts anderes) ihre Mitglieder in Parteien schleusen. Nur so kann eine Gesellschaft ausschließen, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft, sexuellen Orientierung, ihres Glaubens oder Nichtglaubens diskriminiert werden. (Zwar bezweifele ich, dass wir eine nach Humanität und Durchlässigkeit strebende Gesellschaft sind, aber tun wir mal so, als ob.)

Wer Veränderung anstrebt, soll sich an die Politik wenden. Schwierig nur, wenn Kirchenleute im Parlament sitzen, wo Gesetze beschlossen werden. Entweder ist man ein demokratischer Politiker, der findet, dass kein Mensch aufgrund seines Geschlechtes diskriminiert werden darf (Grundgesetz Art. 3, Abs. 3), oder aber man ist Katholik und Kirchenfunktionär und findet, dass Paulus Recht hatte, als er sagte: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter“ (Neues Testament, Epheser Kap. 5, Vers 22).

Das Problem ist kein Papst und kein Bischof. Das Problem sind die Katrin Göring-Eckardts und Norbert Geis’ens, Peter Gauweilers und Wolfgang Thierses – Abgeordnete, die mit einem Bein qua politischem Mandat im Parlament stehen und mit dem anderen Bein aktiv in kirchlichen Vereinigung, wo sie in hochrangigen Gremien die Belange der Kirchen verhandeln oder beaufsichtigen. Die Liste der Mandatsträger, die die Interessen ihrer religiös geprägten Vereine wie das Zentralkomitee der Katholiken, das Forum Deutscher Katholiken oder die Synoden (Kirchenparlamente) vertreten, ist in Deutschland noch immer sehr lang.

Ihre Mely Kiyak

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