Wenn ich das schon höre, „zusammenwachsen, was zusammengehört“, „blühende Landschaften“. Gehören gefüllte Auberginen und Paprika-Tomatensauce zusammen? Und? Wachsen sie zusammen? Also so ein Blödsinn! Melanzane, Zucchini marinati, Bruschetta, die ganze kalte Vorspeisentheke beim Italiener käme nicht zustande, ach, die gesamte Mittelmeerküche gäbe es nicht, wüchse alles zusammen. Denn wüchse zusammen, was später zusammenkommt, ergäbe das Pilze, Viren und verkrüppelten Wuchs statt blühender Landschaften.
Die Botanik lehrt, dass auf dem gleichen Stück Land Auberginen, Tomaten und Paprika dringend voneinander getrennt werden müssen. Wer Rücksicht auf die unterschiedlichen Kulturformen nimmt, erntet Ratatouille. Es bedarf immer auch eines Kreuzblütlers, der Nachtschattengewächse zwingend voneinander trennt. Eben weil sie sich so ähnlich sind. Tomaten und Gurken? Gefährlich. Tomaten neben Erbsen? Alarmstufe Rot. Tomaten neben Kartoffeln? Akute Terrorgefahr. Tomaten neben Kohlrabi? Dann gleich ’ne Chemiebombe drauf!
Das Geheimnis einer üppig blühenden Gesellschaft ist die Mischkultur. Jeder Doofie weiß doch, selbst wenn er gar nichts mehr weiß, dass Deutschland − Malle, Tenne und Schnitzelkönig mitgerechnet − 19 Bundesländer hat und dass die Botanik zwischen günstigen und ungünstigen Nachbarn unterscheidet. Ein Gärtner, der die Reizpunkte kennt, der hohes neben niedriges setzt, der alle Fruchtfolgen nacheinander zur Geltung bringt, der die raffinierte Technik der Zwischenkultur kennt, hilft seinem Garten friedlich und nachhaltig zu überdauern. Nur, aber auch nur das, meine lieben Gewächse aus allen Himmelsrichtungen, schafft Einheit.
Wer das kapiert hat, der weiß, dass eine Gesellschaft von unterschiedlichen Pflanzen nur deshalb gedeiht, weil man Schwach-, Mittel- und Starkzehrer nicht etwa voneinander separiert, sondern kombiniert. Aber auch das ist eine Wahrheit: Die Botanik ist keine Mathematik, es handelt sich um Lebewesen. Manchmal wird halt alles nichts. Aber die nächste Saison kommt gewiss. Es geht alles immer weiter.
Es gibt kein Gut und kein Böse, kein Hässlich und Hübsch, jeder ist jedem nützlich. Der Mykorrhiza beispielsweise klebt sich an das Wurzelwerk des Baumes und bewirtet ihn von unten. Der Baum nimmt sich, was er braucht und wirft ab, was für den schleimigen Untermieter noch gut genug ist. Man kennt sich, man grüßt sich, man muss sich nicht lieben, aber man braucht sich. Nicht zusammenwachsen. Miteinander wachsen, das ist es. Auf der gleichen Stelle leben, ist etwas anderes, als gleich zu leben.
Ewiggestrige Liebhaber von Monokulturen hätten heute ihre von Borkenkäfern befallenen Fichtenbrachen bewundern können, wenn man weiter auf Monokulturen gesetzt hätte. Der deutsche Wald wäre doch fast krepiert! Stetiger Einsatz von Pestiziden auf einseitig bepflanzten Flächen fördert immer neuen Schädlingsbefall. Mischwald, Freunde. Mischwald!
Ich sage, wer Einheit sagt und Mono meint, wer Unterschiede nicht pflegt und hütet, der kann gleich eine Prise Herbizid durch die Nase ziehen und sich schlafen legen. Das versuche ich die ganze Zeit zu sagen. Es pflückte bequeme, einfache Wahrheiten aus dem Hortus poeticus,
Ihre Mely Kiyak

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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