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21. April 2012

Kolumne: Liebe Salachristen!

 Von 
Mely Kiyak

Alle reden über Fundamentalismus. Aber geht größeres Unheil nicht eher von Banken oder der Lebensmittelindustrie aus?

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Bislang dachte ich, Fundamentalismus an sich sei ein Problem.

Letzte Woche habe ich gelernt, dass Fundamentalisten, die sich auf den Koran beziehen, hysterischere Reaktionen auslösen, als Fundamentalisten, die sich auf die gute alte Bibel berufen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum eine Million fundamentaler Christen in Deutschland, so die allgemeine Schätzung, keine Nachricht wert sind. Wohl aber 500 Salafisten, von denen man g l a u b t, dass sie verrücktes Zeug anstellen k ö n n t e n.

Was würde die berühmte Ulmer Druckerei tun, wenn Salafisten nicht den Koran, sondern das Grundgesetz als Druckauftrag abgegeben hätten? Verbunden mit der Bitte, jene Passage mit der Religionsfreiheit besonders dick hervorzuheben? Hätte die Druckerei den Auftrag ebenfalls storniert?

Was wäre, wenn Salafisten das Dr. Oetker-Kochbuch aus den siebziger Jahren kostenlos verteilen würden? Ich habe ein solches Exemplar im Küchenschrank. Wenn man sich ausschließlich mit Rezepten aus diesem Buch ernähren würde, wäre man bestimmt schnell tot. Mehl, Fett, Fleisch. Für mich birgt ein solches Buch mehr Sprengstoff als der Koran.

Ohnehin finde ich, dass heutzutage von Kirchen, Moscheen, Tempeln und Synagogen weniger Unheil ausgeht als von der Lebensmittelindustrie und vom Bankenwesen.

Vor einigen Wochen erklärte ich, was ein Salafist ist. Jetzt sprechen alle über Salafisten. Ich bin auch eine Art Prophet. Mal sehen, ob demnächst alle von fundamentalen Christen sprechen, nur weil ich es mal eben so erwähne. Ein fundamentaler Christ ist ähnlich wie ein fundamentaler Muslim. Kein Salafist, sondern, nennen wir ihn Salachrist. Auch ein Salachrist legt seine heilige Schrift wortwörtlich aus. Auf seinem Buch steht Bibel. Es könnte auch etwas anderes drauf stehen. Harry Potter. Oder Heidi. Es gibt nämlich Fundamentalisten, die wollen wie zu Zeiten Heidis leben. Mit Gouvernante, Alm-Öhi und Berghütte. Heidifisten nennt man sie. Sie leben vornehmlich in bayerischen Provinzen.

Es gibt viel Interessantes auf der Welt. Beispielsweise die Christen-Community namens Universales Leben, deren Ziel die Gründung eines Urchristenstaates ist. Klingt ganz schön gefährlich!

Sie verkaufen Ihre Produkte in Bioläden unter der Marke: „Gut zum Leben“. Es gibt Salachristen-Gruppen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren; mit der Begründung, dass Jesus Vegetarier oder Veganer war. Jede fundamentale Gruppe behauptet das, was ihr am besten in den Kram passt. Salatessende Salachristen nennt man übrigens Salatchristen.

Aber wen interessiert meine Meinung? Würde ich hier schreiben, verflucht seien die Gottlosen, mögen sie schmoren in der Hölle, mögen sie vorher noch ewigen Juckreiz in ihren Nasennebenhöhlen bekommen, allah-uh-ekber, würde ich wahrscheinlich sofort zu Maischberger eingeladen. „Sind Ihre Kolumnen mit dem Grundgesetz vereinbar?“ Tatsächlich werde ich immer zum Thema Islam, Muslime, Integration geladen. Ich gehe natürlich nirgends hin. Verflucht sei das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Möge ihm ein Elefant hinten raus wachsen!! Ist so eine Äußerung noch verfassungskonform? Huhu, Innenminister? Mufti Friedrich! Möglich, dass ich demnächst in einer Fußgängerzone eine Million Mal meine Kolumnensammlung verteile.

Ihre Mely Kiyak

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