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Kolumne: Lieber Frank Steffel!

Der CDU-Mann ist Unternehmer und Berliner Parlamentarier - und diese Woche mächtig in Verruf geraten. Nun versucht Steffel, daraus Nutzen für sich zu ziehen. Von Mely Kiyak

Mely Kiyak ist freie Autorin.
Mely Kiyak ist freie Autorin.
Foto: FR

Mensch, Sie schon wieder! Sie Schmusestoffelchen. Es gibt nur wenige Männer, die, und ich spiele jetzt nicht auf Ihr Unternehmen an, meinen Stoffwechsel ankurbeln. Die Ludowig Frauke aus RTL ist ja auch schon mit Ihnen verfilzt. Was waren das für amüsante Zeiten, als Sie Bürgermeister von Berlin werden wollten. Die Eierattacke und Ihr Schutzsuchen hinter dem schmalbrüstigen Stoiber Edmund. Köstlich! Zugegeben, die Teppich-Witze waren unfair! Die Medien sind mit Ihnen umgegangen, als wären Sie eine dahergelaufene Fransenpiepe.

Spaß und Nostalgie beiseite. Ich wieder Kolumnistin eines unabhängigen Blattes und Sie unabhängiger Politiker der Christlich-Demokratischen Union. Ja, klaro kann man das trennen.

Sie sind diese Woche mächtig in Verruf geraten, weil sie hobbymäßig seit letztem Herbst im Bundestag für die CDU sitzen und ihr Teppichimperium weiterhin als Unternehmer führen. Die verbleibende Zeit vertreiben Sie sich mit, so heißt es, 30 Nebenverdiensten.

Nackte Fakten knallen immer besser als angezogene Sätze. Die Steffel-Gruppe ist ein Raumausstattungs-Unternehmen, das Heimtextilien und Bodenbeläge verkauft. Der Jahresumsatz liegt nach eigenen Angaben im dreistelligen Millionenbereich. Zudem bekommen Sie als Abgeordneter rund 10000 Euro monatlich. Mich interessieren die Trennungslinien.

Die erste große politische Idee, die Sie als aktueller Bundestagsabgeordneter und ehemaliger "Kennedy von der Spree", lieferten, war die Einführung von Ein- und Zwei-Euro-Scheinen, weil das Münzgeld dem Handel Mühsal und Rückenweh bereite. So ein Vorschlag rückt Sie in den Verdacht, dass es Ihnen als Politiker nicht um das Allgemeinwohl geht, sondern um die Durchsetzung Ihrer Interessen als Unternehmer in der Politik. Ist es nicht praktisch, gleichzeitig Geschäftsführer eines Unternehmens zu sein und im Finanzausschuss des Bundestags zu sitzen, der steuerpolitische Gesetzentwürfe liefert?

Am Mittwoch las ich in der Welt ein Interview mit Ihnen. Das war ein mustergültiges Wischiwaschi-Gespräch. "Sehen Sie sich als Vorbild der parlamentarischen Demokratie?" "Sind Sie mit den Regeln des Bundestages zufrieden?" Ich bin kein Anhänger dieser ayurvedischen Fragetechnik.

Ich habe mal nachgeschaut. Ausgerechnet während der wichtigsten Branchentermine herrscht aufgrund der Sitzungswochen im Parlament strengste Anwesenheitspflicht. Die Einrichtungsmesse in München "Heim+Handwerk" und die "Woonbeurs Amsterdam" sind aber die Einrichtungsmessen. Interessenkonflikt?

Darf ich auch mal wie die Ludowig eine Kollektion für Sie designen? Ich würde gerne eine Produktlinie für die Innenausstattung von Särgen machen. Feine, leichte Stoffe, edel und haltbar für die Ewigkeit - Eternity! Dazu mein Gesicht auf Plakaten, pietätvoll aber begehrenswert: "Eternity? Dafür würde ich sterben!" Oder ich ziehe ein Stück schwarze Seide über meine erigierten Brustwarzen, dazu der Slogan "Wer würde da nicht gerne abnippeln?"

Vielleicht würde ich im Rahmen meiner Nebentätigkeit als Kolumnistin auch meine Berichterstattungstechnik über Sie ändern

Es sendet Küsschen auf fliegendem Teppich,

Ihre Mely

Mely Kiyak ist freie Autorin.

Autor:  Mely Kiyak
Datum:  6 | 3 | 2010
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