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Meinung
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30. März 2012

Kolumne: Lieber Herr Thadeusz,

 Von Jörg Thadeusz
Jörg Thadeusz.  

Fällt Ihnen der Abschied von Harald Schmidt schwer? Thadeusz: Wir werden uns in irgendwelche Uniformen kleiden. Und dann krampfen wir. Schütteln unsere Körper vor Schmerz, verzerren die Gesichter zu Fratzen der tiefen Trauer.

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„Harald, großer Harald, größter Harald“, bibbern wir. Die Frauen in unserer Reihe lassen sich sogar auf die Knie fallen, vom Jammer niedergedrückt.

Es könnte ihm vielleicht gefallen. Wenn wir sein vorläufiges Ende im Fernsehen so diszipliniert betrauern, wie die nordkoreanischen Verzweiflungsdarsteller den aus seinem Bizarr-Programm gerissenen Kim Jong Il über den Jordan seufzten. Es ist in jedem Fall besser, wenn wir irgendwas in der Gruppe machen. Sonst sitzen wir nämlich allein vor dem Fernsehgerät und müssen feststellen: Es ist wieder einsamer geworden. Ohne Harald Schmidt.

Millionen Volksmusikfreunde

Wahrscheinlich sind wir wenige. Sowas beweisen doch wohl die schlechten Quoten der Schmidt-Show. Die Vielen kommen gut klar mit dem, was ihnen im Fernsehen angeboten wird. Wer gibt sich als Augenzeuge her, wenn Veronica Ferres sich von irgendeinem kümmerlich inszenierten Schicksal umtosen lässt? Millionen und ein paar Kritiker, die schreiben, was für ein Tiefpunkt das wieder war.

Wer ist freiwillig dabei, wenn junge Leute um die Wette singen und Nena zwischendurch Unfug schrillt? Millionen und ein paar Kritiker, die schreiben, Nena hätte sich echt gut gehalten für ihr Alter.

Millionen Volksmusikfreunde. Millionen, die es mögen, wenn ein sehr erwachsener Mann in einem Kinder-T-Shirt etwas linksliberal Spöttisches über die Bundesregierung sagt. Und ein paar Kritiker, die dazu gar nichts mehr schreiben.

Wir sind die anderen.

Vergebliche Suche mit der Fernbedienung

Wir wissen, dass Fernsehen ein kluges Medium sein kann. Wir verwechseln klug aber nicht mit nett. Wenn Oliver Kalkofe vor eine Fernsehkamera tritt, dann ist das wie der Moment, in dem sich der Schlachtermeister die Schürze umbindet: Es gibt kein Pardon. Kalkofe ist ein genialer Grobian, ein Sarkasmus-Hüne. Zu allem fähig, was ein Schandmaul in deutscher Sprache hervorbringen kann. Oliver Kalkofe tritt live auf. Mit der Fernbedienung suchen wir nach ihm oft vergeblich.

Christian Ulmen ist leiser. Er hat immer wieder bewiesen, dass gekonnte Ironie eine harmlos aussehende Lauge sein kann. In der sich aber die größten Blödhammel problemlos auflösen lassen. Der Mann kann schauspielern und sich aber genauso seinen Text spontan einfallen lassen. Christian Ulmen war zwischendurch im Internet-Fernsehen im Exil. Ist jetzt immerhin für Eingeweihte auch bei ZDFNeo zu sehen.

Auf den Serpentinen der Eitelkeit

Roger Willemsen ist kürzlich gefeiert worden. Musste mit dem schwierigen Karl Lagerfeld ein Gespräch führen, ohne sich vernünftig vorbereiten zu können. Bei dieser Begegnung war dann aber eben nicht Karl der Große. Der beschlagene, belesene, kraftvoll eifrige Willemsen musste auf den Serpentinen der Eitelkeit niemals vom Gas gehen. War immer halsbrecherisch nah, wenn Lagerfeld mit scheinbar absichtslosem Geplauder über einen literarischen Klassiker die Drehzahl erhöhte.

Die Veranstaltung war in der Kölner Oper zu sehen. Für das Publikum der LitCologne. Fernsehzuschauer durften nicht dabei sein. Sollte sich das Fernsehen wirklich nach den Millionen richten, die das nicht bedauern?

Jörg Thadeusz ist RBB-Moderator

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