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04. Oktober 2012

Kolumne: Lieber Herr Thadeusz,

 Von Jörg Thadeusz
Volksfest zum Tag der Deutschen Einheit vor dem Brandenburger Tor. Foto: dapd

wie haben Sie den Tag der Deutschen Einheit gefeiert?

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Zum Glück ist Deutschland von jeder Art von Einheit weit entfernt. Stattdessen ist alles schön durcheinander. Das würde ich übrigens gern mit einem Feiertag begehen, diese Uneinheit.

Bei einer Eisenbahnreise vor zwei Tagen fiel mir auf, dass überraschend viele Männer hier dem Irrglauben anhängen, hellbraune Schuhe würden an ihnen gut aussehen. Es ist außerdem verblüffend, wie viele sehr erwachsene Frauen kleine Rucksäcke tragen, an denen sie noch kleinere Kuscheltiere befestigen. Meistens Damen, die mit dieser Drolligkeit über eine fernfahrerartige Ausstrahlung hinwegtäuschen wollen.

Noch eine Eigenart, die mich mit den Umsitzenden in einem Großraumwagen vorübergehend zur Einheit macht: Wir könnten auch gemeinsam im Keller sitzen, um darauf zu warten, dass vielleicht ein Lachen einsetzt. Statt nur sanft zu grinsen, hoffen wir gemeinsam darauf, wie der Zugchef über Lautsprecher erklärt, wir wären wegen eines Böschungsbrandes leider acht Minuten verspätet. Diese Nachricht erlaubt uns endlich den wohligen Absturz ins mürrische Maximum. Die Frage ist nur, wer mit einem vernehmlich gebellten „Na toll, war ja klar, die Bahn wieder!“ seinem Kleinmut als erster Raum gibt.

Alles andere ist Unterschied. Mindestens. Vor allem in nächster Nähe erträgt der eine Deutsche den anderen nicht. Wen würde denn in Frankfurt die Einflugschneise des Flughafens beschäftigen, wenn sicher wäre, dass wirklich jeder Jumbo nur über Offenbach schön laut in der Luft bremst?
Als ich kürzlich einen Taxifahrer in Nürnberg bat, er möge mich bitte in einen Stadtteil von Fürth bringen, war augenblicklich die Stimmung finster. Aus Nürnberger Sicht ist Fürth offenbar das Ramallah Frankens. „Der Hass ist groß, der Hass ist groß“, wiederholte der Fahrer immer wieder. Im Übrigen könnte ich von Glück reden, erklärte der Mann. Früher hätten Fahrgäste an der Nürnberger Stadtgrenze in ein Fürther Taxi umsteigen müssen.

Mit dem Fußballtrainer Eduard Geyer hätte ich womöglich ein menschlich angenehmes Interview führen können, hätte ich nicht mit meiner Frage, ob er sich denn in Leipzig wohlfühlen würde, die Stimmung vergiftet. Herr Geyer lebt in Dresden. Damit schließe sich Leipzig, diese unmögliche Stadt voller Angeber, doch wohl naturgemäß aus. Presste er unversöhnlich zwischen den Zähnen hindurch, als würde er im nächsten Moment böse beißen.

Es gibt keinen Zweifel: Ich stehe auch gelegentlich mit dem Öl am Feuer. Wenn ich die Proteste im Wendland sehe, finde ich es jammerschade, diese wunderbare niedersächsische Landschaft mit Atommüll zu belasten. Wo es doch in Gelsenkirchen so viele Garagen von Schalke-04-Anhängern gibt, in denen man den ein oder anderen Castor prima einlagern könnte.

Ehe irgendjemand glaubt, er sei über diese peinlichen Kleinlichkeiten erhaben: Stuttgarter, denkt an Karlsruhe! Und dann ganz schnell wieder an etwas anderes. Wegen Eures Blutdrucks. Oder Ihr, liebe Dithmarscher, warum haben die nebenan wohnenden Nordfriesen nur hässliche Kinder?
Der Tag der deutschen Uneinheit muss Feiertag werden. Sobald er sich zum ersten Mal jährt, treffen wir uns alle im Rheinland und reißen an der Seite vieler Kölner endlich Düsseldorf ab.

Jörg Thadeusz ist RBB-Moderator.

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