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14. Juli 2012

Kolumne: Lieber NSU-Ausschuss, Teil 4!

 Von 
Akten des Bundesverfassungsschutzes.  Foto: REUTERS

Wer glaubt ernsthaft, dass drei Menschen kontaktlos und scheu, mordend, raubend und bombend so vor sich hin wirkten?

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Da Parlamentsferien sind, gab es diese Woche keinen Bundestagsuntersuchungssauschuss. Zeit, ein paar Gedanken kreisen zu lassen: Was wissen wir eigentlich über den NSU und gewalttätige Rechtsterroristen? Antwort: Nichts!

Neun Monate sind vergangen, und ich kann nicht sehen, dass der Nationalsozialistische Untergrund, sofern es ihn gibt und er so heißt, ergründet wird. Offenbar geht man davon aus, dass mit der Verhaftung Beate Zschäpes und dem Tod ihrer Komplizen sich das Problem des Rassismus, Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus und Rechtsterrorismus erledigt hätte. Die „Aufklärung um die Mordserie“ dient der Rekonstruktion. Doch ist der sogenannte NSU eine museale, historische Begebenheit, bei der es lediglich herauszufinden gilt, ob und inwiefern Innenministerium, Polizei, Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst involviert waren?

Die Geschichte, die dieser Tage erzählt wird, geht so: Drei rechtsradikale Bombenbauer aus Jena wenden sich von der Szene ab und gehen für vierzehn Jahre in den Untergrund. Sie begehen zehn Morde und zünden zwei Bomben. Ihre Namen sind Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Diese Informationen entnimmt man einem aufwendig produzierten Video, das man als Bekenntnis des NSU liest, von der eine Version noch kurz vor Zschäpes Verhaftung im saarländischen Völklingen in einer Moschee auftaucht. Ein Städtchen übrigens mit einer über fünf Jahre andauernden ungeklärten Brandserie an Wohnhäusern von Deutschen mit Migrationshintergrund. Das Trio wird nicht gefasst. Soweit die Geschichte des NSU. Legende? Wahrheit? Am Ende aller Untersuchungen sollen Konsequenzen auf Verwaltungsebene folgen.

Wer glaubt eigentlich ernsthaft daran, dass drei Menschen alleine Bundesländer betreten und verlassen haben, Autos gekauft, angemeldet, Waffen und Munition besorgt, Waffen benutzt und versteckt haben, Bomben gebaut, transportiert und gezündet, Wohnungen angemietet und aufgelöst, Wohnmobile gekauft und verkauft, Pässe besorgt, Identitäten getauscht haben, Banken überfallen und Geld versteckt, Hunderttausende von Euro erbeutet und ausgegeben, Opfer ausgekundschaftet, beobachtet, ausfindig gemacht, angetroffen, abgefangen und erschossen haben, Fotos von Opfern und Tatorten angefertigt, archiviert, zu einem Film geschnitten haben, Fahrräder von einem Bundesland ins nächste transportiert, das Aussehen nie verändert, Haushalte gegründet, geführt, Urlaube gemacht haben, 14 Jahre lang mal vom Verfassungsschutz beobachtet, mal nicht, angeblich kontaktlos und scheu, mordend, raubend und bombend so vor sich hin gemacht haben? Drei Einzeltäter. Wer glaubt das?

Wenn die drei dem NSU angehörten, dann gibt es diesen NSU noch. Dann handelt es sich um ein Netzwerk. Dann sind es viele Menschen, bestehend aus Informanten, Geldbeschaffern, Organisatoren, Mitwissern. Aus der Szene und in Behörden. Handelt es sich wirklich nur um zehn Morde und zwei Bombenanschläge? Was wollen wir eigentlich wirklich wissen? Der Terror lebte nie im Untergrund. Er war sichtbar. Menschen starben sichtbar. Häuser brannten sichtbar. Das Wort Rassismus lebt im Untergrund. Rassismus ist die Ursache für Mord und Zerstörung, aber auch die Ursache für skandalös geführte Ermittlungen.

Ihre Mely Kiyak

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