Donnerstag las ich im FAZ-Feuilleton: "Deutschland verschläft den Kampf um seine Talente", von Gastautor Gunnar Heinsohn. Heinsohn war Hochschullehrer und publiziert mal über dieses, mal über jenes. Er fand beispielsweise heraus, dass die wahre Schuld an Kriegen die Mütter trügen. Wo sie zu viele Söhne gebären würden, gebe es aufgrund eines Männerüberschusses Krieg. Konfliktherde könne man dadurch beruhigen, dass man Hilfsorganisationen abschaffte; denn materielle Sicherheit begünstige die "demografische Aufrüstung" und damit neue Unruhestifter.
Mit den Müttern hat es Heinsohn ohnehin. Im Text vom Donnerstag beschreibt er zwei Probleme. Für "Hartz-IV-Mütter" (wahlweise auch "Sozialhilfemütter" oder "Frauen mit prekärer Mutterschaft") diene das Elterngeld, laut Heinsohn "Vermehrungsförderung", lediglich dazu, "ihre risikoreiche und pädagogisch ungünstige Existenz auf weitere Neugeborene auszudehnen"; weshalb man es ihnen, wie im Sparpaket vorgesehen, besser streicht.
In Deutschland gebe es deshalb ein Bildungsproblem, weil sich die falschen Frauen vermehrten. In der Heinsohn´schen Logik würden die richtigen Frauen, die er wissenschaftlich reduziert "Karrierefrauen" nennt, die "Bestandserhaltung" nicht garantieren, wohingegen sich die falschen, also doofen Frauen, durch unnötige Prämien wie die Karnickel
Zweites Problem: die Migranten. Angeblich hätte Deutschland im Jahr 2007 für Migranten eine Billion Euro Sonderschulden gemacht, weil sie mehr aus den Sozialsystemen nähmen, als sie einzahlten. Eine Billion Euro! Nur für die Migranten!
Wohin die ominöse Billion transferiert wurde und als was sie im Haushalt verbucht war, verschwimmt im Ozean der Behauptungen wie ein Schwarm labberiger, schwabbeliger Quallen, die wieder weg sind, aber ein langanhaltendes Brennen hinterlassen. Später ist noch die Rede von "hoch bezahlten Integrationsarbeitern" und "Integrationsmilliarden", die nichts nützten; auch deren bisheriger Aufenthaltsort bleibt geheim. Somit sind die fehlenden Bildungserfolge der Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht im Schulsystem, sondern erneut mit ihren doofen Eltern begründet; denn diese hatten bereits "in ihrer Heimat schlechte Schulnoten". Heinsohn vergisst, dass die Kinder mittlerweile in dritter Generation hier leben und dass in keiner anderen Industrienation finanzielle und Bildungsarmut so sehr herkunftsabhängig sind wie in Deutschland. Trotzdem will er das Problem durch qualifizierten Zuzug und materielle Austrocknung der unteren Schichten lösen. Dabei hat die OECD zur Situation der Akademiker mit Migrationshintergrund festgestellt, dass sie massiv auf dem deutschen Arbeitsmarkt diskriminiert werden, weshalb sie zu Tausenden auswandern.
Der FAZ sind Fakten wurscht, Hauptsache, ihr Super-Demograf sudelt regelmäßig im Blatt und gibt der Zeitung den nötigen reaktionären Touch, den es zeitweise zu verlieren drohte.
Heinsohns eigene Doofheit übrigens hinterließ im System durch seine jahrzehntelange Tätigkeit an der Universität Bremen Spuren. Denn aus Bremen, das wissen wir nicht nur aus dem jüngsten nationalen Bildungsvergleich, kommen mit Abstand die doofsten Schüler und Studenten. Armes Bremen!
Ihre Mely Kiyak
Mely Kiyak ist freie Autorin.

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