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Kolumne: Schützen wir die Kinderseelen

Junge Menschen müssen vor der Niedertracht geiler alter Männer bewahrt werden. An dem Tabu darf keiner rühren. Von Klaus Kocks

Ich lebte im sittsamen Wolfsburg, als dort ein hochrangiger Politiker der christlichen Fraktion auffiel, weil er sich Kinderpornografie bestellt hatte. Ich war empört. Vor allem über die Bestrebungen, dies als eine liebenswerte Skurrilität eines "dirty old man" unter den Teppich zu kehren. Daran erinnere ich mich in diesen Tagen, da die katholische Kirche vergeblich versucht, allfällige Perversionen als Ausnahmen zu verharmlosen. Und Rom belässt es bei allgemeinen Ermahnungen. Der Papst wie sein Herr Gänswein.

In jenem alten Rom, vor dem auch Guido Westerwelle zu warnen weiß, weil Sinnbild der Dekadenz, war Knabenliebe an der Tagesordnung. Nicht nur Bordelle gehörten zum Stadtbild, auch in den Badehäusern wussten Knaben ältere Herren zu erfreuen. Der trunkene römische Bürger fand nichts dabei, sich von griechischen Knaben zunächst Gedichte vortragen, den Wein reichen zu lassen und das Vergnügen im SPA durch Körperliches zu beschließen.

Wird mit solchen Reminiszenzen der sogenannten Pädophilie das Wort geredet? Verharmlosen wir Kindesmissbrauch? Das wäre ja nicht das erste Mal. Man kennt solche Subkulturen aus der dem Zölibat unterworfenen katholischen Kirche. Im klösterlichen Humor machen auch höchst eigenartige Witze über Messdiener die Runde. Wer ein gutes Gedächtnis hat, erinnert sich zudem an Diskurse bei der heute staatstragenden Partei der Grünen, die von "konsensualem" Geschlechtsverkehr mit Kindern schwärmten. Ekelhaft. Da gibt es nichts zu verharmlosen. Nein, der Vergleich zum alten Rom ist aufschlussreich, weil er zeigt, dass es sich um eine Sklavenhaltergesellschaft gehandelt hat. Der Lustknabe war Sklave und damit dem Sachrecht zuzurechnen. Nur der Bürger Roms war Mensch, nicht der Stricher aus Athen.

Aber jetzt kehren wir vor den Stufen der katholischen Kirchen, vor den christlichen Internaten, in denen sich Priester ihren Schutzbefohlenen als geile alte Männer genähert haben. Wenn es auffiel, versetzte die Kirche diskret. Das war´s. Ich persönlich glaube, dass schon das Zölibat als solches pervers ist, gegen die menschliche Natur. Das Zölibat legt natürlich jene Homosexualität nahe, die wir aus der christlichen Seefahrt und den Knästen kennen. Und durch Päderasmus. Aber diese Debatte, die man als schwulenfeindlich empfinden kann, will ich hier nicht führen.

Was erwachsene Menschen miteinander treiben, geht niemanden etwas an. Es muss keine Tabus geben, jedenfalls nicht im Privaten. Ein Tabu aber, das sollte bleiben oder eingeführt werden, je nachdem, auf welchem humanitären Stand man steht. Kindesmissbrauch bedarf der moralischen Ächtung, der gesellschaftlichen Ausgrenzung und der strafrechtlichen Verfolgung. Es steht laut Verfassung die Familie unter dem besonderen Schutz des Staates. Und das heißt, der Staat bietet einen Schutzraum für Kinder und Jugendliche.

Wir ächten Kinderarbeit und bieten Schulpflicht. Wir tolerieren Prostitution und jede sexuelle Präferenz, aber nicht mit Minderjährigen. Alle Lolita-Fantasien oder Schwärmereien über Knabenliebe dürfen diese Grenze nicht überschreiten. Was die Kids so selbst mit ihren Altersgenossen anstellen, das ist ihr Ding. Aber bewahrt Kinderseelen vor der Niedertracht geiler alter Männer. Wer an dieses Tabu rührt, sollte nicht nur mit dem Staatsanwalt rechnen, sondern auch mit uns als Nachbarn.

Professor Klaus Kocks ist Meinungsforscher.

Autor:  Klaus Kocks
Datum:  4 | 3 | 2010
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