Ich wüsste schon gar nicht, wie ich sie anreden sollte: Liebe Frau al-Assad? Liebe Asma? Und überhaupt: lieb? Wir wissen, wie riskant die Liebe ist. Doch, auch wir, die wir in irgendwelchen deutschen Vorstädten aufgewachsen sind. Fern von der Noblesse, in der meine Adressatin in London zu einer beeindruckend klugen Schönheit reifen durfte. Mit einem offenbar modernen Vater aus Syrien.
Bei uns gab es immerhin Farbfernsehen und Blousons, die leider Mama bei C&A aussuchte. Irgendwann begann aber eben auch bei uns die Sache mit dem Herzklopfen. Über Jahrzehnte hat sich daran eigentlich nichts geändert. Eine Frau mit einem Lächeln wie ein Blick aufs Meer. Eine sanfte Stimme, funkelnder Geist. Aber in den Momenten, in denen einer von uns schon zu gurren beginnt, weiß er meistens viel zu wenig. Plötzlich stellt sich heraus, dass die Dame zur Waldorf-Schule ging. Oder Veganerin ist. Oder schlimmer: Ihre Mutter ist die beste Freundin von Erika Steinbach. Bei Asma al-Assad kam es deutlich dicker. Ich möchte sie also fragen: Auf wie vielen Kissen lagen Sie, als Ihr Liebster, als Bashar al-Assad, die Sache mit Hama angesprochen hat? Oder spazierten Sie irgendwo am Strand, als er sagte: „Schatziputzi, du weißt schon, dass mein Papa in Hama 20-bis 30.000 Menschen umbringen ließ?“
Zuerst Freundin, dann Geliebte, dann Ehefrau
1982 ereignete sich dieses Massaker eines Diktators an seiner eigenen Bevölkerung. Sie können es kaum mitbekommen haben, denn Sie waren damals erst sieben Jahre alt. Aber wie war das in den 90er-Jahren, als Sie Bashar al-Assad zuerst Freundin, dann Geliebte, dann Ehefrau wurden: Wussten Sie nicht, dass er der Spross einer Familie ist, die die Syrer seit Jahrzehnten drangsaliert und ausbeutet? An welche Informationen über diesen gruseligen Clan konnten Sie nicht gelangen, als sie Finanzanalystin für die Deutsche Bank und JP Morgan waren? Würden Sie wenigstens hinter vorgehaltener Hand einräumen, dass Ihr Schwager Mahir ein Widerling ist? Mahir, der Bruder ihres Mannes, der 1999 bei einer Familienfeier in einem Wutanfall einen Schwager anschoss. Der Mahir, den Videos zeigen, wie er auf Demonstranten schießt. Würden Sie den Navy Seals die Tür öffnen, wenn die hoffentlich bald kommen, um sich mit Mahir auseinanderzusetzen?
Das sah übrigens ganz toll aus, was Sie 2007 trugen. Als Sie eine NBC-Reporterin in Damaskus besuchen durfte, um Sie zu interviewen. Und um Sie anzuschwärmen. Weil Sie erfolgreich, dreifache Mutter und First Lady Syriens sind. Mit Ihrer schlanken Erscheinung und dem königshaustauglichen Englisch sahen Sie in Ihren Sommersachen aus, wie das It-Girl des arabischen Frühlings. Den gab es damals noch nicht. Damals hatte Ihr Mann auch noch nicht mit Artillerie die Zivilisten in Homs beschießen lassen. Es lagen noch nicht Scharfschützen in seinem Auftrag auf Dächern, um Passanten abzuknallen. Sie und Ihr Mann würden in die Menschen Syriens „investieren wollen“, haben Sie damals erzählt und pfirsichsüß gelächelt. Ihr Mann investiert in seine Bevölkerung Patronen.
Zwei Fragen bleiben: Haben Sie sich in Ihrem Mann geirrt? Haben wir uns in Ihnen getäuscht? Die fanatische Magda Goebbels, die böse Elena Ceausescu, die gierige Leila Ben Ali, wir würden Sie gern nicht in die Reihe schlimmer Frauen an der Seite entsetzlicher Männer stellen. Aber wir wissen, wie sehr man sich irren kann.
Jörg Thadeusz ist Fernsehmoderator.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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