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08. März 2013

Kolumne von Mely Kiyak: Liebe Homo-Ehe!

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Zwei miteinander verheiratete Frauen halten auf dem Straßenfest zum Christopher Street Day in Weimar in Thüringen ihre Hände.  Foto: dpa

Die Argumente gegen schwule und lesbische Ehen sind ziemlich komisch. Überhaupt verbindet konservative Hardliner und homosexuelle Ehepaare mehr, als ihnen lieb ist.

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Homo-Ehe in Zahlen

In Deutschland gab es im Jahr 2011 etwa 67.000 gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Ihre Zahl ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit 1996 um rund 29.000 gestiegen.

2011 gab es 27.000 Lebensgemeinschaften von Frauen und 40.000 von Männern. 40 Prozent (27 000) der gleichgeschlechtlichen Paare lebten in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft („Homo-Ehe“). Ihre Quote hat sich seit 2006 (19 Prozent) ungefähr verdoppelt.

In den gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften lebten ganz überwiegend keine Kinder (in 63.000 von den rund 67.000). Nur etwa 7000 Kinder, davon 6000 unter 18 Jahren, wohnten bei Elternteilen gleichen Geschlechts - laut Statistik fast nur bei Frauenpaaren.

Die Zahlen beruhen auf dem Mikrozensus 2011. Wegen der geringen Datenbasis und der Freiwilligkeit bei der Angabe zu einer Lebenspartnerin oder einem Lebenspartner dürften sie dem Statistischen Bundesamt zufolge eine Untergrenze darstellen.

Wenn ich es richtig verstehe, gibt es Menschen, die finden, dass Homo-Ehen den Hetero-Ehen steuerlich und rechtlich nicht gleichgestellt werden dürfen, weil zwei gleiche Geschlechter miteinander ins Bett gehen, ohne sich dabei vermehren zu können.

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Das ist so hochkomisch, dass ich mir fast jede Talksendung zum Thema angesehen habe, um ja keine Begründung der Demokratiegegner zu verpassen. Ihr absolutes Lieblingsargument: Die Ehe von Mann und Frau sichere den Fortbestand der Gesellschaft. Meines Wissens fördert nur Sex den Fortbestand der Gesellschaft. Allerdings kenne ich in meiner näheren Umgebung fast keine heterosexuellen Paare mehr, die zur Kinderzeugung nicht auf Hilfsmaßnahmen angewiesen sind.

Auf Anhieb fallen mir ein Dutzend Paare ein, die sich in Arztpraxen mit Hilfe künstlicher Befruchtungsmethoden ihren Kinderwunsch erfüllen. Noch vor drei Jahren sind weltweit eine viertel Million Kinder durch künstliche Befruchtungen entstanden. Mittlerweile ist die Zahl auf fünf Millionen gewachsen. Die künstliche Befruchtung sichert ebenso den Fortbestand der Gesellschaft. Man wird das jedoch schwerlich aus konservativem Munde hören, denn es herrscht unter ihnen immer noch das Gerücht, dass Geschlechtsverkehr zum Zwecke der Fortpflanzung dient.

Irgendwo las ich auch, dass bei aller Liebe zum adoptierten Kind, das Kindswohl dadurch gefährdet sei, weil eine Bezugspersonen anderen Geschlechts fehle. Die gleichen Leute, die gegen das Adoptionsrecht für Homopaare aus Gründen des Kindswohls stritten, verstummen schlagartig wenn es um Kinderarmut und Bildungsungerechtigkeit geht.

Manche wollen ihre Privilegien nicht teilen

Es geht beim Kampf der Minderheiten um Demokratie und Gerechtigkeit – und ihren Gegnern ohnehin immer um etwas anderes. Die Gegner sehen ihre eigene Lebensmodelle diskreditiert und herab gesetzt, wenn sie sich ihre Privilegien und Freiheit mit Menschen teilen sollen, die sie aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung oder Herkunft oder Religion als nicht gleichwertig betrachten.

Dabei verbindet konservative Hardliner und schwule Ehepaare mehr als ihnen lieb ist, nämlich die Ehe als Wert an sich. Ich zum Beispiel finde Heiraten extrem oldschool und kapitalistisch. Trotzdem möchte ich nicht, dass der Staat Heiratswillige aufgrund ihrer sexuellen Orientierung anders behandelt.

Es muss ja nicht jeder so denken, empfinden, leben und ticken wie ich. Außerdem, Freunde der schwülstigen Traditionslehre: es ist viel gemütlicher, wenn man großzügig denkt und teilt. An Diskussionen wie über die Homo-Ehe bemerkt man, wie sehr unsere Gesetzgebung von Konservativen, Traditionalisten und Religiösen bestimmt wird, die es nicht schaffen, sich von einer von Müttermythos und Mutteranbetung durchtränkten Kultur und Religion zu emanzipieren.

Woher kommt denn das Verständnis, dass nur Mann und Frau eine Ehe eingehen, und wenn es Schwule oder Lesben machen, sei es irgendetwas anderes? Warum bereitet es Menschen Denkschwierigkeiten, sich vorzustellen, dass es absolut unschädlich ist, wenn ein Kind ohne Mutter, aber mit zwei Vätern aufwächst? Doch nur weil in den heiligen Schriften Schwule und Lesben nicht als Propheten, Gottessöhne oder Apostel auftraten und Ehen führten. Ihre Mely Kiyak

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