Aktuell: Terror in Paris | Kolumne "Gastwirtschaft" | Skispringen, Wintersport | Pegida | Flucht und Zuwanderung | Eintracht Frankfurt

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

16. November 2012

Kolumne von Mely Kiyak: Liebe Verfassungsschützer!

 Von Mely Kiyak
Man zieht mit einem Rücktritt doch keine Konsequenzen! Doch - apropos Konsequenzen - wer folgt der Berliner Verfassungsschutzchefin Claudia Schmid ins Amt?Foto: dpa

JEDER kann Verfassungsschützer werden. Man braucht keine politische Bildung, Abitur, Uniabschluss oder Fremdsprachenkenntnisse.

Drucken per Mail

Ich las in der Zeitung, dass die Chefin der Berliner Verfassungsschutzbehörde zurück getreten ist. Diesen Schritt sei sie gegangen, um Konsequenzen zu ziehen. Das habe ich gar nicht verstanden. Man zieht durch einen Rücktritt doch keine Konsequenzen. Man tritt zurück, um sein Ansehen zu schonen. Oder weil man Schiss hat, dass man rausfliegen könnte. Eine in unserem Land alberne Vorstellung. Man fliegt doch in Deutschland als Leiter einer Behörde nicht irgendwo raus, bloß weil man die Aufklärung von Nazimorden behindert. Rausfliegen und einen empfindlichen Teil der Rentenbezüge verlieren wäre eine Konsequenz. Oder lebenslang für den öffentlichen Dienst gesperrt werden. Selber gehen ist keine Konsequenz. Selber gehen ist eine Entscheidung. Mehr nicht. Man stelle sich vor, der Ladendieb klaut und wenn die Konsequenz droht, tritt er in seiner Funktion als Kunde zurück. Nach meinem Rechtsverständnis müsste trotzdem eine Strafe folgen.

... also in die NPD eintreten

Nun gut. Ich will mich da nicht weiter reinhängen. Ich suchte in den Ausschreibungen die offene Chefstelle in der Berliner Verfassungsschutzbehörde. Irgendjemand muss den Job doch machen. Ich bin sicher, die Morde an Migranten und das ganze Rassismusproblem wären schneller gelöst, wenn der Verfassungsschutzpräsident ein Deutsch-Türke wäre. Oder der Chef des BKA ein Deutsch-Ghanaer, wenn der Generalbundesanwalt oder der Polizeipräsident oder Innenminister so eine saftige Gastarbeiterkindherkunft hätten. So bleibt einem nur die Möglichkeit, in die NPD einzutreten, den muslimisch-feministischen Flügel abzudecken und den Wandel durch Annäherung einzuführen.

Ich stöberte und fand die Chefstelle nicht ausgeschrieben. Ich wäre aber bereit mich hochzuarbeiten. Zum Beispiel als Agent beim Verfassungsschutz. Im Moment werden „Observantinnen und Observanten für eine Sicherheitsbehörde im Großraum Köln gesucht“. Bestimmt ist das Bundesamt für Verfassungsschutz in Chorweiler oder das neue Terrorabwehrzentrum in Köln gemeint. Bei der Tätigkeit handelt es sich um „verdeckte Beobachtung von Personen und Einrichtungen“. Die Bewerbungsfrist endet am 30. November. Voraussetzung für den Job ist eine abgeschlossene Ausbildung, technisches Interesse und die Bereitschaft, am Wochenende zu arbeiten. Anders gesagt: JEDER kann Verfassungsschützer werden. Man braucht weder politische Bildung, Abitur, Uniabschluss, Fremdsprachenkenntnisse.

Wieso Schutzkleidung?

Jeder Lagerhelfer kann in den Nachrichtendienst wechseln. Was bedeutet technisches Interesse? Dass man sich den Einschaltknopf beim digitalen Fotoapparat merkt? Beim Observieren nicht vergisst, die Kamera einzuschalten? Man solle „über die Bereitschaft verfügen, aktive und passive Schutzausrüstung“ zu tragen. Knarre und schusssichere Weste? Wieso braucht man Schutzkleidung, wenn man lediglich observiert? Kann jetzt jeder Hilfsbulle werden? Umso besser! Man hat ja doch hier und da eine Rechnung offen. Die Bewerbung kann man auf der Seite vsz.bund.de einsehen. Man klickt weiter auf „aktuelle Jobs“ und sucht bei den Angeboten für den mittleren Dienst.

Wenn demnächst jemand das Gefühl hat, ich sei abgetaucht und man höre so gar nichts mehr von mir – ja, ich bin abgetaucht, aber ich höre und sehe alles!

Es grüßt Ihre Mely Kiyak

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Anzeige
Ressort

Leitartikel, Analysen und Kolumnen unserer Autoren und Korrespondenten


Griechenland

Schuld und Schulden

Von  |
Ministerpräsident Alexis Tsipras redet nicht um den heißen Brei herum: "Die Stunde der Abrechnung ist gekommen."

Die Griechen pochen auf eine Wiedergutmachung für das im Zweiten Weltkrieg erlittene Unrecht. Deutschland muss endlich nach einer fairen Lösung suchen.  Mehr...

Leitartikel

Engagiert Euch!

Die Pegida-Anhänger in Dresden.

Versuchen Sie mehr Einfluss zu nehmen. So, wie es viele ihrer Nachbarn längst tun, im Westen und im Osten des Landes. Erst dann können Sie sagen, es würde Ihnen niemand zuhören. Mehr...

Ölpreis

Wem Billig-Öl schadet

Arbeiter an einer Öl-Pipeline.

Günstige Energie ist gut – aber sie muss aus der richtigen Quelle stammen, Öl ist die falsche. Der Druck schwindet, in eine umweltfreundlichere Zukunft zu investieren. Der Leitartikel. Mehr...

Terror und Meinungsfreiheit

Die Grenzen der Freiheit

Eine Litfaßsäule mit "Je suis Charlie"-Karikaturen beim Zeitungsverlegerverband in Berlin.

Gegen Terror und Pegida, für Freiheit, Demokratie und Vielfalt zu demonstrieren, ist gut und richtig. Aber wer Freiheit leben will, muss auch über ihre Grenzen reden. Nicht aus Angst, sondern aus Überzeugung. Der Leitartikel. Mehr...

Griechenland

Schaden für Europas Linke

Ein Schuldenschnitt ist in vielen Ländern der EU politisch nur schwer durchzusetzen, weil er letztlich auch auf Kosten der Steuerzahler geht.

Dass Griechenlands neuer Premier ausgerechnet eine Koalition mit den Rechtspopulisten eingeht, ist ein schlechtes Omen. Man kann nur hoffen, dass Syriza nicht daran zerbricht. Der Leitartikel. Mehr...

Leitartikel

Pegidas politische Stichwortgeber

Auch wenn die Teilnehmer es nicht glauben wollen: Einen Großteil ihrer Parolen bezieht die Pegida-Bewegung aus der Politik.

In den Parolen der Islam- und Ausländerfeinde spiegelt sich der Geist der Ausgrenzung, der auch die Flüchtlings- und Migrationspolitik der vergangenen Monate beherrscht hat. Mehr...

Leitartikel

Die europäische Frage

Der Vorsitzende des  Linksbündnisses Syriza, Alexis Tsipras, gibt seine Stimme ab bei der Wahl in Griechenland am Sonntag.

Nicht eine linke Partei in Griechenland ist das Problem der EU, sondern die soziale Spaltung, die Unzufriedenheit nährt. Und leider auch Populisten, die die Schuld immer bei Fremden suchen. Mehr...

Muslime in Deutschland

Die Heimat der Muslime

Muslime beim Nachmittagsgebet  in der Eyüp-Sultan-Moschee in Nürnberg.

Es gibt in diesem Land eine Vielzahl demokratischer islamischer Initiativen und Organisationen. Es wäre für sie an der Zeit, sich zu einer gemeinsamen Plattform zusammenzuschließen. Der Leitartikel. Mehr...

Papst Franziskus

Den Worten müssen Taten folgen

Papst Franziskus spricht von einer moderneren katholischen Kirche. Doch den Worten des Pontifex müssen auch Taten folgen.

Wenn er die Kirche wirklich verändern will, muss Papst Franziskus seinem Vorstoß zur Familienplanung Taten folgen lassen – und die traditionelle Lehre reformieren. Der Leitartikel der FR beschäftigt sich mit den Nachwirkungen der päpstlichen Worte. Mehr...

Weltwirtschaftsforum in Davos

Sozialstaat muss für Balance sorgen

Auf dem Weltwirtschafsforum in Davos wird zur Zeit auch über das Thema Ungleichheit diskutiert.

Der Graben zwischen Arm und Reich wird immer tiefer. Wenn die Politik nicht eingreift, werden Globalisierung und Digitalisierung die Gegensätze immer weiter verschärfen. Der Leitartikel. Mehr...

Anzeige