Es gibt viele Leute, die ich nicht zum Kapitän haben möchte.
Fahrer von großen Audis würde ich unter keinen Umständen auf die Brücke lassen. Also diejenigen, die an meiner Fahrerscheibe diese kurze Druckwelle hinterlassen, wenn sie auf der Autobahn mit Fernlichtgeschwindigkeit vorbeirasen. Diese Männer bringen zwar andere Menschen in Lebensgefahr, wollen aber noch nicht mal einem Oberkellner was Gutes tun. Sondern nur ihr mickriges Dasein als Vertreterwürstchen mit dem Gaspedal in Vergessenheit treten.
Ein Radiojournalist war schon nach 36 Stunden schlauer als alle anderen. Er wusste nicht nur genau, was passiert war. Er sah auch den Zeitpunkt gekommen, die Kreuzschifffahrt im Allgemeinen anzuprangern. Viel zu unsicher. Völlig richtig.
Wer hat nicht auch einen Bekannten, der nur eine Norwegen-Küstentour machen wollte, sich dann aber orientierungslos auf einer Rettungsinsel im Nordmeer treibend wiederfand. Alles fliegende Holländer, Totenschiffe mit Balkonkabinen. Journalisten dieses Kalibers würde ich gar nicht erst an Bord lassen, sondern sie an Hafenrundfahrten verweisen, wo ihnen für ein kleines Bestechungsgeld gewiss das Mikrofon überlassen wird, damit sie ihren Schwafeldrang entweichen lassen können.
Es gibt allerdings Individuen, unter deren Kommando ich selbst Monsterwellen nicht fürchte. Sir Alex Ferguson, seit mehr als 25 Jahren Trainer bei Manchester United: Dieser knurrige Schotte würde jedem Schiff, das sich bedrohlich auf die Seite legt, sofort das Sinken verbieten. Bei der außerordentlichen Autorität des Mannes würde sich kein Schiff der Welt trauen, mit dem Untergang fortzufahren.
Ilse Aigners Tonfall beruhigt
Ilse Aigner, Bundeslandwirtschaftsministerin: Durchaus möglich, dass auch sie nicht schrammenfrei an jedem Atoll vorbeikommt, aber ihr warm gurrender bayrischer Tonfall bei den Durchsagen zur Notfallevakuierung würde mich garantiert beruhigen. Zudem ist jedes Mitglied dieses Bundeskabinetts aus gutem Grund immer auf das Schlimmste vorbereitet.
Nina Kunzendorf, Schauspielerin, unter anderem als Kommissarin Conny Mey im Frankfurter „Tatort“: Es geht nur um ein Praktikum – als Schiffsjunge wäre das bei Kapitänin Kunzendorf selbst im vollendeten 43. Lebensjahr sehr, sehr interessant.
Die klägliche Vorstellung dieses Francesco Schettino sollte für uns Männer die letzte Mahnung sein, den guten Kapitän in uns selbst zu entdecken. Bitte keine Memmen mehr. Kocht euch hart, Weicheier. Im Fernsehen quatscht sich ein geföhnter Schnorrer-Präsident mit einer Journalistin über Gästematratzen mal richtig aus.
Noch widerlicher: In Duisburg sitzt ein Bürgermeister, der sich immer noch nicht schämt – übrigens auch von der CDU. Offenbar sind im Konrad-Adenauer-Haus Anstand und Ehre aus dem Wertekanon rausgeflogen. Es gibt aber auch ohne aktive CDU-Männchen genug Heulsusen und Verdrücker. Ich erinnere mich mit Grausen an den deutschen Talkshowgast, der sich dazu verstieg, Osama bin Laden sei doch Familienvater gewesen und sein Ende auch aus dieser Sicht gemein.
Christine Lagarde, Angela Merkel, Hillary Clinton, starke Frauen tragen momentan die Last der Welt. Während sich stark fühlende Männer fragen, ob sie womöglich Lust hätten, Verantwortung zu spüren.
Jörg Thadeusz ist TV-Moderator.

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