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27. Februar 2013

Kolumne zu Amazon: Alles legal

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Das Logistikcenter des Internet-Versandhändlers Amazon in Bad Hersfeld in Hessen. Hier sollen ausländische Arbeiter unter unzumutbaren Umständen beschäftigt sein.  Foto: dpa

Warum so überrascht? Die Ministerin hätte wissen können, was sich beim Online-Händler Amazon abspielt.

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Warum so überrascht? Die Ministerin hätte wissen können, was sich beim Online-Händler Amazon abspielt.

Doch, es gibt sie noch, Sternstunden im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Es gibt Sendungen, für die der Gebührenzahler gern in die Tasche greift. Dazu gehört die ARD-Dokumentation über die Machenschaften des US-amerikanischen Netzgiganten Amazon. Zähe Recherche, klare Nennung von Tätern und Opfern, nicht das übliche Verwirrspiel mit dem Ziel, dass am Ende alle und niemand verantwortlich sind.

Leiharbeit von der schäbigsten Sorte, von sklavenhalterähnlichen Zuständen war zu Recht die Rede. Was da in und um die sieben Logistikzentren des Internetanbieters zutage trat, war derart skandalös, dass auch die Politik nicht umhin kam, das üble Treiben dieses Konzerns öffentlich zu kommentieren. Sogar von Lizenzentzug für die Leiharbeitsfirma war vollmundig die Rede.

„Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt alle Fakten auf den Tisch“, ließ sich die Bundesarbeitsministerin vernehmen. Das ist eine Aktivität signalisierende Redensart. Und was folgt daraus? Wird, nachdem sich die Erregung gelegt hat, alles wieder unter den Tisch gekehrt?

Verdi läuft schon lange Sturm

Es ist beschämend genug, dass die Politik erst durch ein Fernsehteam erfährt, welche Arbeitsbedingungen Amazon seinen Mitarbeitern zumutet. Die überraschte Ministerin hätte wissen können, was sich beim Online-Händler abspielt. Die Gewerkschaft Verdi läuft schon lange Sturm gegen dieses Geschäftsmodell. Im Übrigen ist diese Firma nicht die einzige, die Menschen mit Hoffnung auf Festanstellung zur Probe einstellt und sich anschließend von der Agentur für Arbeit bezahlen lässt.

Wenn man nur wollte, konnte man von den Praktiken des global agierenden Anbieters wissen. Als ich Amazon im November 2010 schon einmal eine Kolumne widmete, verdächtigte man mich des Kulturpessimismus. Schon damals war bekannt, dass der Internetriese für das Weihnachtsgeschäft mehr als 3 000 Saisonarbeiter – sprich Teilzeitkräfte – nach Bad Hersfeld und Leipzig gelockt hatte.

Wie es sich für einen Kraken als Global Player gehört, sahnte das datenfressende Unternehmen zwar staatliche Wirtschaftshilfen und Fördermittel ab, ist jedoch äußerst kreativ, wenn es um Steuervermeidung geht. Natürlich nutzen die Lastwagenkolonnen, um die 1,2 Millionen Pakete durch die Republik zu karren, die Infrastruktur aus. Zu deren Erhalt wird jedoch so gut wie nichts beigetragen. So profitiert der Konzern im Buchgeschäft von der hierzulande geltenden Buchpreisbindung, versteuert aber seinen deutschen Umsatz in Luxemburg zu ganzen drei Prozent. Zyniker könnten einwenden, besser drei Prozent als gar nichts.

Das supersoziale Netzwerk Facebook gehört zum Beispiel zur Null-Steuer-Fraktion. So langsam scheinen auch einige europäische Finanzminister aufgewacht zu sein. Beim jüngsten Moskauer Treffen der G-20-Staaten wurde beschlossen, Regeln zu entwickeln, um den Hütchenspielertricks der grenzüberschreitenden Konzerne zwecks bisher auch noch legaler Steuerhinterziehung ein Ende zu bereiten.

Mittäter und nicht nur Zuschauer in dem üblen Spiel sind vor allem die Kunden dieser Konzerne. Sie sind es, die schließlich jene Teufelsspirale in Gang setzen. Sie delegieren ihre eigene Verantwortung ins Nichts, denn sie sind direkt Beteiligte mit ihrer Gier, Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit. Noch gibt es keinen Kaufzwang bei bestimmten Anbietern.

Klaus Staeck ist Grafiker und Verleger.

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