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24. Oktober 2010

Kolumne zu China: Der hässliche Monopolist

 Von 

Eine Supermacht trägt Verantwortung. China will davon nichts wissen. Das zeigt sich am Beispiel der Seltenen Erden.

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Im vergangenen Monat stieß ein chinesischer Fischkutter in japanischen Gewässern mit zwei Schiffen der japanischen Küstenwache zusammen. Die Japaner nahmen den Kapitän des Kutters fest. China lieferte daraufhin Japan keine Seltenen Erden mehr. 97 Prozent dieser Mineralien, die man für die Produktion von Hightech-Geräten braucht, stammen aus China. Kein Wunder, dass die Japaner den Kapitän bald freiließen.

Noch bis Mitte der 1980er Jahre kam die größte Menge Seltener Erden aus den USA, dann traten die Chinesen auf den Markt. „Der Nahe Osten hat das Öl, China hat die Seltenen Erden“, sagte bereits 1992 Deng Xiaoping, der die chinesischen Wirtschaftsreformen entwarf. Ein Drittel der weltweiten Vorkommen liegt in China. Dazu kommen geringe Förder- und Verarbeitungskosten, die sich durch niedrige Löhne und schlechte Umweltstandards erklären. All das ermöglichte es den Chinesen, US-Firmen zu unterbieten.

Erstaunlicherweise wirkte niemand in den USA alarmiert, nicht mal aus Gründen der nationalen Sicherheit. Politiker sahen einfach zu, wie die Seltene-Erden-Produktion in den USA dichtmachte. In mindestens einem Fall – es geschah in der Regierungszeit von George W. Bush – räumten die Chinesen buchstäblich eine Fabrik in den USA leer und verschifften die Gerätschaften nach China.

Schon vor dem Zwischenfall mit dem Kutter hatte China klargemacht, dass es seine Monopolstellung ausreizen würde. Kürzlich klagte die US-Stahlarbeitergewerkschaft gegen chinesische Handelspraktiken. Sie tat, wovor US-Unternehmen aus Angst vor Vergeltung zurückschreckten. Die Gewerkschaft setzte dabei den restriktiven Export Seltener Erden ganz oben auf die Beschwerdeliste, weil China sich damit in einer Reihe von Industriezweigen einen wichtigen Wettbewerbsvorteil verschafft.

Was sind nun die Lehren aus dem Zwist um die Seltenen Erden? Zunächst und zuvörderst muss die Welt Lagerstätten außerhalb Chinas erforschen und ausbeuten. Allerdings kostet das Zeit und Geld. Eine interessante Alternative ist das Recycling Seltener Erden aus gebrauchten elektronischen Geräten.

Zweitens zeigt Chinas Antwort auf den Zwischenfall mit dem Kutter, dass die neue ökonomische Supermacht leider nicht ihrer Verantwortung, die mit dieser Position verbunden ist, gerecht wird. Große Wirtschaftsmächte, die um ihre Bedeutung im internationalen System wissen, zögern normalerweise lange, bevor sie sich in die ökonomische Kriegführung retten. Selbst wenn sie heftig provoziert werden. Man nehme nur mal die abwartende Haltung der USA angesichts der protektionistischen Währungspolitik der Chinesen. China dagegen hat überhaupt nicht gezögert, internationale Handelsgesetze zu brechen.

Nimmt man das Verhalten Pekings in anderen Fragen dazu – staatliche Unterstützung für heimische Firmen bei Ausschreibungen, Druck auf ausländische Gesellschaften, ihre Produktion nach China zu verlagern, und vor allem die Währungspolitik – dann hat man das Bild einer ökonomischen Supermacht, die sich nicht an die Regeln hält. Und die Frage ist, wie wir damit umgehen wollen.

Übersetzung: Christoph Albrecht-Heider

© New York Times

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