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09. Juli 2014

Kolumne zur WM: Fifafirlefanz

 Von 
Nach der Nationalhymne folgt die Anti-Rassismus-Erklärung der Fifa. Auch Philipp Lahm kann die noch nicht auswendig.  Foto: dpa

Diskriminierung muss ja gegeißelt werden - aber die Anti-Rassismus-Show vor WM-Spielen sollte mal jemand abschaffen. Es wäre besser, wenn die Mannschaftskapitäne einfach nur „Rassismus ist Scheiße“ in ihrer Muttersprache brüllen.

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Rassismus ist eine schlimme Sache. Die Fifa ist auch eine schlimme Sache. Nicht so schlimm wie Rassismus und im Gegensatz zu diesem auch vergänglich, aber immer noch schlimm genug.

Aber Rom wurde auch nicht an einem Tag geschleift, und es steht zu befürchten, dass uns die internationale Fußballorganisation noch ein paar Jahre erhalten bleibt. Da kann man wohl nichts machen. Es wäre ein kaum erwartbares Zeichen der Mildtätigkeit und des guten Geschmacks, uns bis dahin die peinlichen und bigotten Antirassismus-Erklärungen zu ersparen, zu deren Verlesung Mannschaftskapitäne jetzt schon seit dem Jahr 2002 in unschöner Regelmäßigkeit gezwungen werden. Heuer vor dem Viertelfinale.

Diese Szenen, die selbst bei einer Weltmeisterschaft beim Zuschauer das Gefühl aufkommen lassen, er wohne einer Schultheateraufführung bei, nennt die Fifa „Anti-Diskriminierungstage“ und beschreibt sie selbst so: „Zu den Aktionen an diesen Tagen gehören die Herausgabe einer Medienerklärung, eine gesonderte Unterrichtung und Einweisung für die Medienvertreter sowie bestimmte Abläufe vor dem Spiel, in deren Rahmen von den jeweiligen Mannschaftskapitänen eine Deklaration gegen Diskriminierung verlesen wird.“ So werde, will einem die Fifa auf ihrer Homepage weismachen, „die Aufmerksamkeit der Zuschauer im Stadion und an den Fernsehschirmen gewonnen“.

Lieblos abgenuschelte Erklärungen

Wie man mit einer lieblos vom Blatt abgenuschelten Erklärung auch nur einen Blumentopf gewinnen will, bleibt das Geheimnis der Fifa. Von der Fifa mag man im Übrigen halten, was man will. Man kann sie als paramafiöse Vereinigung oder als Funktionärs-Altersversorgungswerk sehen: Rassismus ist keines der Grundübel, an denen sie krankt. Eigentlich funktioniert das Miteinander der Ethnien dort sogar wie geschmiert. Rassismus ist und bleibt hingegen ein riesiges Problem im Fußball. Ein Problem, zu dessen Bekämpfung eigentlich jedes Mittel recht sein sollte, selbst wenn es von der Fifa kommt.

Ist es aber nicht. Vielleicht wäre es ein Statement, wenn die Kapitäne dem hörbar von Funktionären geschriebenen Text zuvor durch Auswendiglernen ein Mindestmaß an Respekt zollten. Oder ihn zumindest so vortrügen, als wüssten sie, was sie da sagen und stünden halbwegs dahinter. Es wäre besser, wenn die Mannschaftskapitäne einfach nur „Rassismus ist Scheiße“ in ihrer Muttersprache brüllen. Da könnte der Zuhörer wenigstens noch was lernen.

Durch die lächerliche und von keinem gewollte Antirassismus-Einlage im Vorfeld des Spiels zeigt die Fifa wenigstens, wie wichtig ihr dieser Kampf ist. Man kann ihr das nicht mal zum Vorwurf machen. Mit dem Kampf gegen Rassismus hat sich noch nie gutes Geld machen lassen. Und außerdem muss sich die Fifa-Ethikkommission ja auch mal mit was anderem beschäftigten als Franz Beckenbauer.


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Aber ist es zu viel verlangt, sich einen Kapitän zu wünschen, der den Verantwortlichen ihren Spickzettel um die Ohren schlägt mit der Bemerkung, er habe Besseres zu tun und der Blattersepp solle seine Sprüchlein gefälligst selbst aufsagen? Dem Antirassismus wäre damit nicht geschadet. Dem Sport auch nicht. Aber solche Typen fehlen. Paul Breitner ist in Rente, und Zlatan Ibrahimovic hat einen eleganten Weg gefunden, sich vor dieser Schmach, die dringend abgeschafft gehört, zu drücken.

Stefan Behr ist Gerichtsreporter der FR.

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