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Kommentar: Abgang in Grau

Jürgen Rüttgers vollzieht das Unvermeidliche. Scheitert Hannelore Krafts rot-grüne Minderheitsregierung in kurzer Frist, hätte er die NRW-CDU nicht erneut in den Wahlkampf führen können. Von Joachim Frank

Joachim Frank ist Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.
Joachim Frank ist Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR/Kraus

Der Erste verkündet breitbeinig seinen Abschied, der Zweite wird Bundespräsident. Was Roland Koch und Christian Wulff gelungen ist, war dem Letzten von den drei Kerlen hinter Merkel nicht vergönnt: ein Abgang ohne größere Blessuren. Jürgen Rüttgers vollzieht das Unvermeidliche. Scheitert Hannelore Krafts rot-grüne Minderheitsregierung in kurzer Frist, hätte er die NRW-CDU nicht erneut in den Wahlkampf führen können. Behauptet sich Kraft, wäre die Zeit unerbittlich gegen ihn gelaufen. So tritt er ab - grau im Gesicht, gedrückt in der Haltung, spürbar aufgeraut vom Lauf der Dinge.

An Rüttgers hat sich die Wahlniederlage vom 9. Mai mit dem desaströsen Zehn-Punkte-Rutsch festgemacht. Das war folgerichtig, wird aber seiner politischen Leistung nicht gerecht. Rüttgers hatte 2005 den Wählerauftrag eines Neuanfangs nach langer SPD-Herrschaft. Das Land stand fünf Jahre später besser da, als es die vormaligen Regierungsparteien wahrhaben wollten. Und mit der Attitüde des "Arbeiterführers" und Menschenverstehers à la Johannes Rau konnte Rüttgers die SPD regelrecht rasend machen - immerhin ein Indiz dafür, dass er sie an einem wunden Punkt erwischt hatte.

Zum Erfolg aber hat dem CDU-Mann die gefühlte Konsistenz von Wort und Tat gefehlt. Die Menschen haben ihn gehört, ihm aber nicht wirklich getraut. Seine Partei ist ihm gefolgt, hat aber nicht an ihn geglaubt. Deshalb fällt ihr die Trennung auch so leicht. Die Zeit nach Rüttgers hat längst begonnen, ohne dass die CDU sagen könnte, wie sie aussehen soll. Darum enthält Rüttgers´ Wort von der Neuausrichtung der Partei auch eine Dosis Gift.

Autor:  Joachim Frank
Datum:  26 | 6 | 2010
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