Die FDP befindet sich in einer grotesken Lage: Sie hat über Monate ihren Vorsitzenden demontiert (und der hat selber unfreiwillig, aber nach Kräften daran mitgewirkt). Und jetzt kriegt sie ihn womöglich doch nicht los. Wenn die Niedersachsen-Wahl noch leidlich gut ausgeht für die Liberalen, wird Philipp Rösler keinen Grund für einen Rücktritt sehen. Seine Widersacher, die Rainer Brüderle bereits zum Nachfolger gekürt haben, weil sie mit Rösler eine Niederlage bei der Bundestagswahl fürchten, müssten sich also für Niedersachsen ein möglichst schlechtes Wahlergebnis wünschen. Es scheint, als könne man der FDP mehr schaden, wenn man sie wählt, als wenn man sie nicht wählt.
Das ist genauso absurd wie der Glaube mancher Liberaler, ihre bislang desolate Lage würde sich allein durch einen Wechsel auf dem Chefposten ändern lassen. Es mag sein, dass Brüderle erfahrener ist, und mit Sicherheit ist er der bessere Show-Mann als Rösler. Aber die Parteispitze besteht aus ein paar mehr Leuten – und alle die, die jetzt intrigieren und treten, sind mindestens genauso verantwortlich für die Orientierungslosigkeit der Partei wie ihr Chef. Den haben sie einst hochgejubelt – so wie sie es jetzt mit Brüderle machen. Vor gar nicht allzu langer Zeit war der weit entfernt davon, als „liberale Lichtgestalt“ bezeichnet zu werden. Es ist gut möglich, dass er dieses Etikett nicht besonders lange behalten wird.
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