Katastrophenstimmung in Britannien, Rekordschnee in China, Lawinen, Frost und Rutschpartien halbkugelweit: Wenn es nicht mancherorts so schlimm wäre, man müsste dem Winter mal ein Riesenkompliment machen. Was der aus seinen Möglichkeiten herausholt: ein Marketing-Erfolg ohnegleichen.
Vor allem hat er sich eiskalt eine super Jahreszeit ausgesucht. Im Moment passiert etwa in Deutschland und Umgebung sowieso nichts. Zwei, drei heilige Könige, bisschen Steuergezeter, Plastikgeld kaputt, aber sonst? Wusch - kommt eine Schicht Schnee daher, reden alle nur noch über das Eine. Voriges Jahr: Winterreifenmangel. Dieses Jahr: Streusalzkrise. Nächstes Jahr wahrscheinlich: Zipfelmützenpflicht auf ungeräumten Verkehrswegen montags bis freitags zwischen 7 und 21.30 Uhr.
Alles steht und fällt mit dem Wetter. Wann könnte man das so glattweg behaupten wie im Winter? Die große Jahreswechselgaudi auf vier Schanzen für den österreichischen Herrn: ohne Winter undenkbar. Zünftige Erkältung: Kommt im Sommer albern ´rüber. Und ganz ehrlich: Nichts sieht die Fernsehnation am Ende der Tagesschau lieber als einen quergerutschten 30-Tonner mit Sommerreifen auf der A9, und drumrum 70 bis 95 Kilometer Stau zwischen Nürnberg und Salzburg. Solang sie nicht selbst drinsteht, die Nation.
Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch die Verwertungsrechte für die kalte Jahreszeit ganz offen gehandelt werden. Väterchen Frost hat wohl für diese Saison am meisten auf den Tisch gelegt. Wer bietet nächstes Jahr mehr? Kollege Klimawandel ganz cool? Das Publikum bibbert der Entscheidung entgegen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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