Das müssen selbst Gegner der Linkspartei dem alten Strategen Gregor Gysi zugestehen: Seit Jahren hat der Strippenzieher der Linken prophezeit, es werde in Deutschland eine "Normalisierung" der Parteienlandschaft geben, und er hatte recht. Links von der Sozialdemokratie in ihrer heutigen Gestalt, predigte Gysi, sei auf Dauer wie andernorts in Europa Platz für eine weitere Partei.
Man muss sich nicht freuen, dass nun das Fünfparteien-System inklusive den ganz Roten auf absehbare Zeit etabliert zu sein scheint. Sehr erfreulich allerdings ist die Tatsache, dass die Beteiligten offensichtlich mit diesem bunten Bild zu leben lernen. Es war ja erwartbar, dass die CDU über die rot-roten Pläne der SPD in Brandenburg empört losjammern würde. Genauso erwartbar wie die scheinheiligen Moralpredigten der Linken an die Jamaika-Grünen im Saarland. Aber das reflexhafte Meckern ändert nichts an der schönen Tatsache, dass alle Seiten die neue Arithmetik des Parteiensystems zu nutzen versuchen, statt sie wortreich zu ignorieren.
In Brandenburg wie schon länger in Berlin werden die Linken die neue Normalität zu spüren bekommen. Das Regieren stellt an eine vom Anspruch her alternative politische Kraft viel höhere Ansprüche als das Opponieren - gerade dann, wenn sie ihrem Ruf nach mehr sozialer Gerechtigkeit realisier- und sichtbare Ergebnisse folgen lassen möchte.
Wir Wähler aber können nur wünschen, dass möglichst viele der möglichen Konstellationen jetzt um die bessere Politik konkurrieren. Was da noch fehlt? Rot-Rot-Grün und die Ampel. Aber es war ja nicht die letzte Wahl in Deutschland.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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