Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung zeigte im Kundus-Untersuchungsausschuss mal wieder, wes Geistes Kind er ist. Anstatt sich für seine Verfehlungen zu entschuldigen - er verteidigte das Bombardement in Kundus und ignorierte lange die Berichte über zivile Opfer -, versuchte er sein Verhalten mit dem Hinweis zu erklären, er habe immer nur korrekt unterrichten wollen.
Sein uninspirierter Auftritt verweist aber auch auf einige Probleme hinter dem Skandal. Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel kürte Jung nur wegen der Machtbalance in ihrer Partei zum Minister. Jung, der ehemalige hessische Landesminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Leiter der Wiesbadener Staatskanzlei, kam nach Berlin, weil Roland Koch dies so wollte.
Bei Jung kommt erschwerend hinzu, dass er sich als Laie nie angemessen einarbeitete und seiner Aufgabe als Führungskraft nie wirklich nachkam. Dies überlies er offensichtlich dem früheren Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und dem ehemaligen Staatssekretär Peter Wichert. Beide haben ihre Machtfülle nicht ausschließlich zum Wohle des Ministeriums genutzt. Von parallelen Führungsstrukturen ist die Rede.
All das konnte Merkel nicht entgangen sein. Sie zog Jung allerdings nicht aus dem Verkehr, sondern lobte ihn ins Arbeitsministerium, um erneut die Machtbalance zu wahren.
Jungs Nachfolger Karl Theodor zu Guttenberg muss nun das schwere Erbe aufarbeiten. Bisher hat er sich dabei nicht mit Ruhm bekleckert und die Kundus-Affäre alles andere als gekonnt gemanagt. Das lässt wenig Hoffnung auf Besserung.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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