Am Montag hat Dieter Althaus, Deutschlands politischster Patient, 26 Minuten lang geredet. In seiner ersten Pressekonferenz seit ziemlich genau vier Monaten sprach er über Opel und Merkel, über Betreuungsschlüssel, friedliche Revolutionen und Zukunftskonferenzen, über Pisa und Iglu. Und einmal sprach er über eine Frau, die er vor ziemlich genau vier Monaten auf einer Skipiste totgefahren hat. Diesem Thema widmete er etwa 20 Sekunden.
Nein, Althaus mag sich offensichtlich nicht mehr mit der Vergangenheit aufhalten. Was er zu sagen hatte zu seinem Skiunfall, zu seiner Krankheit, zum Blitzprozess in Österreich, zur Blitzheilung, hat er vor Wochen in trauter Runde der Bild-Zeitung anvertraut. Schuld sei für ihn keine Kategorie, hat er damals wissen lassen.
Von Schuld, sagte er auch jetzt, wisse er nur aus dem Gutachten über den Unfalltag. So sehr sich die Journalisten mühten, Althaus noch ein nachdenkliches, aufrichtiges, glaubhaftes Wort zum Skidrama abzuringen - es gelang nicht.
Der Extremsportler trägt, so scheint es, einen Neopren-Anzug. Kritik perlt daran ab. So reiht sich der Auftritt ein in eine Comeback-Inszenierung, die sogar den politischen Zynismus, an den man sich gewöhnt zu haben glaubte, in den Schatten stellt. Sie ist generalstabsmäßig vorbereitet, perfekt getimt - und seelenlos bis zur Schmerzgrenze.
Dazu passt es gut, dass Österreichs Justiz mitspielte und eine Beschwerde gegen das Verfahren zurückwies. Wie sagte Althaus: "Es gab das offensichtliche Bemühen von mir und meinem Körper, mich wieder fit für das Amt zu machen." Alles andere war offensichtlich nicht so wichtig.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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