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Kommentar: Arme Kinder

Dass Hessen nun seinen Armutsbericht, pardon Landessozialbericht, bekommen soll, ist ein großer Fortschritt. Die Regierung in Wiesbaden erkennt endlich an, dass es Bedürftige gibt. Auf die Einsicht müssen aber auch Taten folgen. Von Jutta Rippegather

Jutta Rippegather ist Regionalredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Jutta Rippegather ist Regionalredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Es hat keinen Sinn, die Augen zu verschließen. Armut geht uns alle an, weil sie überall zu finden ist - auch im reichen Rhein-Main-Gebiet. Und weil überproportional viele Kinder - unsere Zukunft - betroffen sind, zudem das Leben in einer gespaltenen Gesellschaft ungemütlich werden kann. Soziale Ungerechtigkeit erzeugt Spannungen, Kriminalität.

Was bedeutet das, ein Leben in Armut in Hessen? Gewiss nicht, dass Kinder in Lumpen gekleidet auf der Straße leben müssen, wie etwa in Indien. Auch hungern muss unser Nachwuchs nicht, sofern sich jemand um sie kümmert. Doch die Kinder sind von Klein auf damit konfrontiert, dass sie Außenseiter sind. Mit den Freunden ins Kino oder Schwimmbad gehen, sich eine schicke Markenjeans kaufen - das ist im knappen Haushaltsbudget selten drin.

Dass Hessen nun seinen Armutsbericht, pardon Landessozialbericht, bekommen soll, ist ein großer Fortschritt. Die Regierung in Wiesbaden erkennt endlich an, dass es Bedürftige gibt. Auf die Einsicht müssen dann aber auch Taten folgen. Ein Bericht, aus dem keine Konsequenzen gezogen werden, wäre nicht mehr als ein Feigenblatt. Auf das können die armen Kinder verzichten.

Autor:  Von Jutta Rippegather
Datum:  16 | 6 | 2009
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