Es ist keine Schande, Hartz IV zu beziehen. Ein Armutszeugnis für eine moderne Gesellschaft ist es aber, dass es für Alleinerziehende oft unmöglich ist, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Sie sind besonders oft besonders lange abhängig von der staatlichen Grundsicherung namens Hartz IV. Diese Menschen haben sich entschieden, ihr Kind allein großzuziehen. Die Konsequenz lautet oft: Raus aus dem Vollzeit-Job, rein in die Teilzeit, ob die Mütter (und die wenigen alleinerziehenden Väter) das nun wollen oder nicht. Der einzige Weg, dies zu ändern, ist bekannt: Deutschland braucht mehr und bessere Kinderbetreuungseinrichtungen.
Ein Armutszeugnis für eine immer noch wohlhabende Gesellschaft ist auch, dass viele Menschen trotz Vollzeitstelle so wenig verdienen, dass sie nicht mal sich selbst mit dem Gehalt ernähren können. Gegen Hungerlöhne von vier, fünf Euro in der Stunde hilft ein gesetzlicher Mindestlohn. Denn die Gewerkschaften haben es nicht geschafft, solche Löhne zu verhindern.
Doch Obacht: Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass irgendwann niemand mehr auf staatliche Grundsicherung angewiesen ist. Es wird immer Menschen geben, die für eine Weile oder auf Dauer nicht allein für ihren Lebensunterhalt sorgen können, etwa weil sie ein Suchtproblem haben, oder weil sie nach jahrelanger körperlicher Arbeit einfach nicht mehr können.
Es ist Aufgabe des Sozialstaats, diesen Leuten zu helfen. Mit Beratung, Hilfsangeboten - aber eben auch mit Geld. Diesen Menschen Hartz IV zu gewähren, ist keine Schande für eine Gesellschaft. Im Gegenteil.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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