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Kommentar: Auf schlichten Gleisen

Der verschobene Börsengang birgt eine Chance zur Rückbesinnung auf die banale Frage: Was verlangt die Gesellschaft eigentlich von der Bahn? Und nicht: Wie scheffle ich den größten Gewinn? Von Stephan Börnecke

Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Einer der bekanntesten Sprüche von Bahnchef Hartmut Mehdorn lautet sinngemäß so: Er habe nicht die Absicht, seinen teuren ICE an "jeder Milchkanne" stoppen zu lassen. Was so viel heißt wie: Was schert mich der Hinterwälder Bahnkunde, der für sein Ticket - womöglich auch noch am Schalter (welche Kosten!) - gerade mal fünf Euro bezahlt, wenn der Hamburger, Berliner, Münchener Passagier 100 Euro für eine richtige Reise hinblättert, pardon, online ordert und per Creditcard begleicht.

Zentren, Magistralen, glitzernde (Rekord-)Bilanzen, weltweite Expansionen und Beteiligungen, Übernahmen, globale Engagements, Züge über Kontinente hinweg lenken, dem Flugzeug Paroli bieten und mit Tempo 300 die Bankzentren Europas verknüpfen. Das ist die Welt des Hartmut Mehdorn, der Weltkonzern Deutsche Bahn. So prickelnd diese Welt auch sein mag, so toll das auch ist, mit dem Zug an Autos regelrecht vorbeizuschießen: Der Blick aufs Wesentliche geht dabei schon mal verloren.

Welcome back to reality, Herr Mehdorn. Die Finanzkrise und der nun verschobene Börsengang der Deutschen Bahn bergen eine Chance zur Rückbesinnung auf die banale Frage: Was verlangt die Gesellschaft eigentlich von der Bahn? Und nicht: Wie scheffle ich den größten Gewinn? Auf diese Frage hat die Politik keine Antwort, die meisten Politiker haben sie sich nicht einmal gestellt. Sie haben den Bahnmanager einfach machen und sich von schönen Bilanzen einlullen lassen. Es wird Zeit, dass die Bahn einen anderen Stellenwert bekommt: Sie soll möglichst viele Menschen transportieren, sie soll das Auto so überflüssig wie möglich machen und nicht zum Ersatzflugzeug werden.

Autor:  STEPHAN BÖRNECKE
Datum:  10 | 10 | 2008
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