Lückenlos, bedingungslos, schnell - Rüdiger Grube hat eine rigorose Aufklärung des Schnüffel- und Datenskandals versprochen. Der neue Bahnchef hatte sich damit selbst unter enormen Druck gesetzt. Doch der Manager hat Wort gehalten und damit seine Feuerprobe bestanden. Reihenweise verlieren nun weitere Führungskräfte ihre Posten, die für das System Mehdorn standen. Ein Schreckensregime, wie man mit Fug und Recht feststellen kann.
Schließlich wurde über mehr als zehn Jahre hinweg im größten deutschen Staatskonzern ein Überwachungsapparat aufgebaut, der an unselige Stasi-Zeiten erinnert. Die Korruptionsbekämpfung lief völlig aus dem Ruder. Die Datenabgleiche, Mailüberwachungen und Spitzeleien dienten bald auch dazu, Abweichler auszuschalten, die den umstrittenen Privatisierungskurs Mehdorns kritisch sahen.
Es ist das mindeste, was die 240 000 Beschäftigten erwarten dürfen, dass die Vorstände, in deren Ressort der Datenskandal fällt, die Verantwortung übernehmen und gehen. Wer ein solches Spitzelsystem - trotz zahlreicher Hinweise - über Jahre hinweg nicht bemerkt haben will, muss sich als Manager fragen lassen, wie ernst er Kontrollaufgaben nimmt, für die er hoch bezahlt wird. Insofern ist das Eingeständnis des Nichtwissens fast so beschämend wie Mitschuld.
Durch den Skandal ist auch die Bundesregierung blamiert. Die Kanzlerin, die Mehdorn viel zu lange stützte, hat gut daran getan, dem Aufräumer Grube freie Hand zu geben. Sein Aktionsprogramm klingt vernünftig. Die schwere Vertrauenskrise im Konzern wird aber nicht von heute auf morgen zu beseitigen sein.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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