In der besten aller Welten braucht kein Mensch Babyklappen. Da sind Familien heil, freuen sich Eltern (beide) wie wild auf den Nachwuchs, den sie nach der Geburt treulich und zärtlich umhegen. Auf dass ihm kein Leid geschehe und er fröhlich lebe bis ins hohe Alter, bevor er von dannen scheide im Kreise seiner vier Generationen von Lieben. In der besten aller Welten hat der Ethikrat recht.
In der realen Welt aber kriegen Teenager Babys, verstecken Schwangere ihren Bauch vor Familie und Freunden, gebären sie ihr Kind auf dem Bahnhofsklo. In dieser Welt der Verzweiflung tötet eine Mutter ihr Neugeborenes, heißt die Alternative zur Babyklappe nicht betreute, vertrauliche Adoption, sondern Mülltonne. Da braucht keine einen Ethikrat aus einer heilen Parallelwelt.
Gewiss haben Kinder das Recht, ihre Herkunft zu erfahren. Das Recht und ein starkes Bedürfnis; ganze Soap-Serien im Privatfernsehen künden von der Suche Halbwüchsiger nach ihren Eltern. Gewiss ist es problematisch, wenn dieser Anspruch systematisch dadurch unterlaufen wird, dass private, oft kirchliche Organisationen Säuglinge anonym annehmen und zur Adoption geben. Eine Babyklappe aber kann nie mehr sein als ein Notausstieg aus verzweifelter Lage, letzte Ausflucht vor der Kindstötung. Daraus und nur daraus bezieht eine - eigentlich rechtswidrige - Einrichtung ihre Legitimation.
Vielleicht brauchen wir irgendwann keine Babyklappen mehr; wenn ungewollt Schwangere vertrauensvoll in neuen Institutionen um Rat und Hilfe nachsuchen. Noch weniger aber brauchen wir heute Ethikräte, die um der Grundsätze willen die Wirklichkeit leugnen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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