Aus der Entfernung schaut man immer mal wieder in einer Mischung aus Neid und Erstaunen auf das südlichste Bundesland, gern auch abends nach einer Stimmabgabe. Seit einem halben Jahrhundert galt zwischen Rhön und Alpen das Gesetz: Wahl ist, wenn mehrere Parteien antreten und die CSU die absolute Mehrheit bekommt.
Schien der Fall unter die 50-Prozent-Marke bei der Landtagswahl im vergangenen Herbst ein Betriebsunfall, so könnte das jetzige Ergebnis - vergleichsweise lächerliche 42,6 Prozent - ein Hinweis auf eine (kultur-)politische Sensation sein. Die Bayern werden normal. In der Münchner Staatskanzlei können sie mittlerweile das Wort Koalition buchstabieren, CSU-Vorsitzende kommen und müssen gehen wie bei anderen Parteien auch, und ein Wahlkampf, der auf "Wir sind anders als der Rest der Union" getrimmt war, wird zum Eigentor.
Vielleicht werden wir sie irgendwann vermissen, die Störfeuer der landsmannschaftlich geprägten Christsozialen, aber zwischendurch genießen wir eine Phase ohne ständige Zwischenrufe aus München.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
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