Die Rente mit 67 einfrieren - wegen der Weltwirtschaftskrise? Die Idee wäre rasch abzulegen, unter Q wie Quatsch, wenn nicht P wie Papierkorb: Die akute Kapitalnot und die erst 2012 beginnende, mähliche Verlängerung der Lebensarbeitszeit haben wahrlich wenig miteinander zu tun.
Was freilich innehalten lässt beim Wurf in Richtung P: Florian Pronold, die Bayern-Hoffnung der SPD, hat ja recht. Nicht mit seiner Krisen-Verknüpfung, aber mit den profunden Zweifeln an der 67er Lösung.
Das spätere Renteneintrittsalter hat von Anfang an wenig Bezug zur realen Arbeitswelt gehabt. In der werden ältere Beschäftigte aus den Betrieben hinausgedrängt, weil sie teurer sind und häufiger krank als jüngere Kollegen. Die wandeln sich kaum nach der Idealvorstellung des Gesetzgebers und halten plötzlich Erfahrung und Weisheit hoch. Nein, sinnvoll ist die Reform nur, solange man den Blick stur auf Zahlen richtet: die demografische Entwicklung, die höhere Lebenserwartung.
Wobei wohlhabende Rentner noch länger leben als ärmere - da sorgt dann die Rente mit 67 wirklich für Abhilfe, zumal etliche Ausnahmeregelungen wegfallen. Je breiter die Kluft wird zwischen Arbeitsende und Rentenbeginn, je mehr ältere Arbeitslose vor der Hartz-IV-Schwelle ihre Finanzreserven aufbrauchen müssen, desto besser werden die Kassen geschont.
Altersarmut, wie wir sie in dieser Gesellschaft seit Jahrzehnten nicht mehr kennen, ist der Effekt dieser Reform - nicht die Absicht, so viel Zynismus sei der Regierung wirklich nicht unterstellt, nur eine gewisse Ignoranz der Wirklichkeit. Deshalb ist es richtig, die Rente mit 67 anzugreifen, sogar mit falschen Argumenten.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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