Eigentlich geht die Reihenfolge so: Erst wird der Wunschzettel präsentiert, dann folgen Vorfreude und Bescherung. Bei ihren Koalitionsverhandlungen haben Union und FDP den Ablauf umgedreht: Vom heiteren Wünsch-dir-Was manövrieren sie die Bürger unter Absage der Bescherung gleich in die Phase der Enttäuschung.
Seit die - keineswegs überraschenden - Zahlen zum Einsparbedarf auf dem Tisch liegen, ist gereizte Nüchternheit am Konferenztisch eingekehrt. Das "Weihnachtsgeschenk", das noch vor wenigen Tagen versprochen wurde - abgesagt. Immer unwahrscheinlicher ist, dass CDU/CSU und FDP zum 1. Januar tatsächlich Kinderfreibeträge und -geld um zehn Milliarden Euro erhöhen. Stattdessen: Ein paar Korrekturen hier, etwas Symbolik dort. Und vor allem viele "Stufen", mit denen sich vollmundige Versprechen zeitlich strecken lassen.
Man mag dies pragmatisch nennen. Immer unklarer aber wird, welches Motto Schwarz-Gelb über seine Arbeit stellen will. Vielleicht "Gemeinsam für Deutschland - Mit Mut und Menschlichkeit". Ach nein, diese Wolke hatte ja schon die große Koalition vor sich hergeschoben.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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