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Meinung
Kolumnen, Kommentare und Gastbeiträge zu den großen Themen in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet

29. September 2010

Kommentar: Bio ist nicht Bio

 Von Thomas Witzel
Thomas Witzel ist Regionalredakteur der Frankfurter Rundschau.

Der von der Politik geprägte Ausdruck Biogasanlage ist schlichtweg irreführend. Die wachsende Kritik zeigt, dass Wiesbaden handeln muss, um die Interessen aller Beteiligten zu berücksichtigen.

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Sicher, das hört sich immer erst einmal gut an: Bio. Da achten wir beim täglichen Lebensmitteleinkauf gerne und immer häufiger drauf. Wenn die Zauberformel irgendwo dran- oder dabeisteht, sind wir beruhigt, zumindest unser Gewissen. Auch wenn wir aus dem Leben wissen, dass nicht überall, wo Bio draufsteht, auch Bio drin ist. Beispiel Biogasanlagen. Vordergründig eine gute Sache. Erstens wird Energie – in Zeiten einer neu aufkommenden Atom-Diskussion ein wichtiges Argument – aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt. Und zweitens können sich in diesen Zeiten wirtschaftlich gebeutelte Landwirte ein zweites Einkommensbein schaffen.

Eine Win-Win-Situation – auf den ersten Blick, nur auf den ersten Blick. Denn der von der Politik geprägte Ausdruck Biogasanlage ist schlichtweg irreführend. Er suggeriert dem unbefangenen Bürger etwas Positives in Anlehnung an Begriffe wie Biolandschaft oder auch Bionahrung. Wenn man das Hätschel-Kind des hessischen Energiekonzeptes beim richtigen Namen nennen wollte, müsste die Definition etwa so lauten: Anlage zur Erzeugung von Methangas aus nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo) zur Gewinnung von elektrischer Energie und Wärme. Das klingt dann schon weniger romantisch und ist auch nur die halbe Wahrheit. Denn während dem unvoreingenommenen Bürger die Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen als wichtige Alternative zur fossilen oder atomaren Energie dargestellt wird, ist bisher keine Rede vom mit der Produktion verbundenen Verbrauch fossiler Energie, die benötigt wird für Säen, Unkraut-und Schädlingsbekämpfung, Ernten, Pflügen, kilometerweitem Antransport von Rohstoffen und Gülle und der Abtransport der Reststoffe. Ganz zu schweigen von Geruchsbelästigung, Wertverlust von Immobilien, Gefahren durch erhöhtes Fahrzeugaufkommen und letztlich auch einer Verdrängung von Landwirten, die ihren Betrieb traditionell auf Nahrungsproduktion ausrichten.

Die wachsende Kritik gegen die Errichtung solcher Anlagen in der Nähe von Wohngebieten zeigt, dass trotz allen Abwinkens aus Wiesbaden Handlungsbedarf besteht. Die Politik muss kurzfristige Regelungen erarbeiten, die die Interessen aller Beteiligten gleichwertig berücksichtigen.

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