Verräter" möchte man spontan Richtung Kelsterbach schreien. Die Stadt lässt sich das Klagerecht gegen den Flughafen-Ausbau abkaufen. Knickt ein vor der großen finanzkräftigen Nachbarin Fraport. Doch andererseits ist auch nichts Verwerfliches daran, dass ein Bürgermeister für die Menschen seiner Stadt versucht, das Beste rauszuholen. Kooperationen bei Schulen und Kinderbetreuung, ein Joint Venture bei der Vermarktung des Ticona-Geländes - davon könnten die Kelsterbacher mit ihrem hohen Migrantenanteil sehr wohl profitieren. Der Flughafen jedoch rückt immer näher an ihre Wohnungen und Häuser.
Der Verkauf der Flächen an Fraport zu diesem Zeitpunkt ist das falsche Signal. Mit dem Deal fällt Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) all jenen Kollegen und Parteifreunden aus der Region in den Rücken, die der Klage vom Verwaltungsgerichtshof weiterhin eine Chance einräumen. Zudem überlässt er ihnen die Arbeit, das Nachtflugverbot durchzusetzen.
Wenn auch zerknirscht, gibt Ockel den Kampf verloren. Eine bittere Botschaft für all jene, die sich dem Großprojekt weiterhin widersetzen - sei es auf dem juristischen Weg oder als Aktivist im Kelsterbacher Wald.