Dass Evo Morales die Wahl in Bolivien glatt gewonnen hat, überrascht nicht. Der erste indigene Präsident kann sich erst einmal bei seinem knarzkonservativen Gegner Manfred Reyes bedanken. Der Ex-Militär ist so eindeutig mit den alten Kräften und den alten Zeiten verbunden, dass er nur für die richtig Rechten attraktiv war - der düstere Hintergrund, vor dem Morales nur umso mehr als Lichtfigur erschien. Tatsächlich sprechen ihm viele seiner Wähler messianische Züge zu; kein Wunder nach jahrhundertelanger, durch und durch rassistischer Unterdrückung der Indios, deren Anteil an der Bevölkerung, ob Zufall oder nicht, ziemlich genau den 63 Prozent entspricht, die am Sonntag für Morales und seine "Bewegung zum Sozialismus" gestimmt haben.
Nach Jahren des kruden Neoliberalismus, der in Bolivien - bis zum Blutvergießen - von absurder Härte war, hat Morales den Sozialstaat neu erfunden. Dank der guten Preise für die nun nationalisierten Bodenschätze sind die Kassen voll. Der Staat kann also kräftig umverteilen, und die Regierung Morales hat den politischen Willen dazu.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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