Wir sind Papst? Das war einmal. Heute muss es heißen: Wir sind Merkel! Recht hat die protestantische deutsche Kanzlerin, vom deutschen Oberhaupt der katholischen Kirche eine Klarstellung zu fordern. Die Leugnung des nationalsozialistischen Völkermordes an den Juden ist keine theologische Frage. Ihr entgegenzutreten ist deutsche Staatsraison und, manchmal sind große Worte angebracht, Menschheitspflicht. Moralisch. Politisch. Der Papst hat diese Dimension verkannt. Die Politikerin tut es nicht. Sie darf es nicht.
Die Kanzlerin hat aber auch praktisch politische Gründe für ihre undiplomatische Einlassung. Es geht um das Verhältnis zu Israel. Soll das Wort der deutschen Regierung im Land der Überlebenden des Holocaust und ihrer Kinder Geltung behalten, darf es nicht den geringsten Zweifel an der grundsätzlichen Solidarität des Landes geben, das einst eines der Mörder und Henker war. Die Regierungschefin steht da in der Tradition ihrer Vorgänger von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder. Neu ist nur, dass ein Papst Nachhilfe von einer protestantischen Politikerin nötig hat.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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