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Kommentar: Dänische Dummheiten

So sollte man die Auseinandersetzung um Islam und Islamismus nicht führen. Meinungsfreiheit und Demokratie werden wir weder durch dumme Provokation verteidigen noch durch kriecherische Entschuldigungen.

Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Eines muss man den Dänen lassen: Wie man die Auseinandersetzung um Islam und Islamismus auf keinen Fall führen sollte, das führen sie seit Jahren beispielhaft vor.

Es begann vor vier Jahren mit dem PR-Gag der Zeitung Jyllands-Posten: Als gezielte und unverhohlene Provokation der dänischen Muslime druckte sie die mittlerweile berühmten Mohammed-Karikaturen. Das Blatt hatte die Freiheit dazu, und gegen jeden, der den Abdruck verbieten wollte, mit Gewalt protestierte oder gar einen Zeichner bedrohte, wurde diese Freiheit mit Recht verteidigt. Aber was erlaubt ist, muss nicht klug sein. Der Abdruck war dumm, weil er die Auseinandersetzung mit dem Islamismus durch Provokation ersetzte.

Die Dummheit pflanzt sich seitdem fort, und sie verschont keine der streitenden Parteien. Zeitungen drucken die Karikaturen mit Heldengeste nach, obwohl es viel mutiger wäre, sich dem Dialog mit den Muslimen zu stellen. Und nun setzt das Blatt Politiken noch einen drauf, sozusagen von der anderen Seite, und entschuldigt sich für eben diesen Abdruck.

Meinungsfreiheit und Demokratie werden wir weder durch dumme Provokation verteidigen noch durch kriecherische Entschuldigungen. Wir müssen ihren Feinden die Gefolgschaft entziehen, auch an den Peripherien unserer eigenen Gesellschaft. Und das wird nur gehen, indem wir sie für die Reize - und die Pflichten! - einer toleranten Gesellschaft gewinnen. Mit dem dummen Spiel aus Provokation und Entschuldigung aber geht es sicher nicht. Dieses Spiel bestätigt die Radikalen. Und es liegt auf genau dem Niveau, das wir bei den Halbstarken unter den Immigranten so gern verurteilen.

Autor:  Stephan Hebel
Datum:  26 | 2 | 2010
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