Das Ergebnis der Senatswahl in Massachusetts ist für Barack Obama eine Katastrophe. Wenn die US-Demokraten selbst in ihrer sicher geglaubten Hochburg verlieren, drohen bei der Kongresswahl im Herbst Blitz und Donner. Reagiert die Obama-Partei auf das Massachusetts-Debakel mit Flügelkämpfen und Lähmung, wird alles noch schlimmer.
Entscheidend wird sein, welche Lehren der Präsident aus der Niederlage zieht. Bislang hat Obama seine Wahl vor gut einem Jahr als breites Mandat für gesellschaftlichen Wandel interpretiert. Und tatsächlich hatten die Massen ja gejubelt, als er im Wahlkampf keineswegs nur allgemein von "Hope" und "Change" sprach, sondern sehr konkret davon, was das meint: eine Krankenversicherung für alle, aktive Klimapolitik, kein Guantánamo, keine Folter. Nun zeigt sich, dass Obama den Rückhalt für seine Agenda überschätzt hat.
Warum aber wenden sich die Menschen ab? Weil das Land zu weit nach links rückt, wie die Republikaner postulieren? Oder, umgekehrt, weil zu viele Reformen im Kongress versandet sind? Eine Mischung aus beidem, lautet die für Obama unbequeme Antwort. Stutzt er seine Agenda jetzt zusammen, verärgert der Präsident die eigene Basis. Bleibt er auf Kurs, riskiert er, unabhängige Wähler der Mitte zu verprellen.
Er muss seine Prioritäten neu ordnen. Statt seinen Projekten wird sich der Präsident stärker den aktuellen Sorgen der Menschen zuwenden müssen, der hohen Arbeitslosigkeit. Abschreiben freilich muss man Obama noch nicht. Und auch das gilt: Innenpolitisch blockiert, werden außenpolitische Erfolge für Mr. Hope umso wichtiger.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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